Spitex

Allgemeines zur Spitex

Die spitalexterne Hilfe und Pflege (Spitex) umfasst die ambulanten Pflege- und Unterstützungsleistungen vorübergehend und langfristig. Zu den Kerndienstleistungen gehören pflegerische und hauswirtschaftliche Tätigkeiten sowie Sozialbetreuung, Beratung und Koordination. Ziel der Spitex ist es, pflege- und betreuungsbedürftigen Menschen jeden Alters ein Leben in ihrer gewohnten Umgebung zu ermöglichen.

Entwicklung Stellen und Klienten/-innen in der Spitex-Pflege

Innerhalb der letzten Jahre verzeichneten sowohl die Vollzeitäquivalente (VZÄ) in der Spitex-Pflege als auch die Anzahl Klienten/-innen, welche Spitex-Pflege in Anspruch genommen haben, ein kontinuierliches Wachstum. Während die Anzahl Klient/-innen pro VZÄ über die Jahre relativ stabil geblieben ist, sind die Pflegestunden pro Klient/in deutlich gestiegen, was auf eine höhere Pflegeintensität hindeutet und zu einer Mehrbelastung des Personals führt.

Um die Qualität der ambulanten Gesundheitsversorgung zu gewährleisten, ist eine angemessene Personaldichte in der ambulaten Pflege und Hilfe entscheidend. In den vergangenen Jahren hat die Personaldichte leicht zugenommen, was in Anbetracht des demografischen Wandels und der steigenden Inanspruchenahme der ambulaten Pflege sowie der anwachsenden Pflegestunden pro Klient/in wünschenswert ist.

Finanzierung der ambulanten Hilfe und Pflege

Im Kanton Luzern werden Pflegeleistungen (gemäss Artikel 7 der Krankenpflege-Leistungsverordnung, KLV) durch die obligatorische Krankenpflegeversicherung (OKP), der öffentlichen Hand und den Klienten/-innen finanziert. Die Krankenkassen tragen dabei den grössten Anteil der in der KLV festgelegten Leistungen. Klienten/-innen müssen einen gesetzlich festgelegten Eigenanteil an der KLV-Pflege übernehmen. Kosten, die nicht durch die Krankenkassen- und Klientenbeteiligung gedeckt sind, finanziert die öffentliche Hand. Im Kanton Luzern übernehmen die Gemeinden diese Restfinanzierung. Hauswirtschaftliche und sozialbetreuerische Dienstleistungen sind von den Klienten/-innen selbst zu tragen, können jedoch anteilweise durch Zusatzversicherungen der Krankenkassen oder Ergänzungsleistungen finanziert werden.

Neuste Ergebnisse: Spitex im Kanton Luzern 2024

Anteil der privaten Spitex-Organisationen wächst deutlich

Im Kanton Luzern wurden 2024 gut 14'500 Personen von Spitex-Organisationen und selbständigen Pflegefachpersonen betreut. Im Bereich der Pflege hat die Anzahl Klienten/-innen gegenüber dem Vorjahr zugenommen; in der Hauswirtschaft und Sozialbetreuung ist eine Abnahme zu beobachten. Insgesamt erbrachten 117 Leistungserbringer rund 1,25 Millionen Stunden Spitex-Leistungen. Im Vergleich zum Vorjahr ist das ein Anstieg um 5,0 Prozent.

Leistungserbringer

Anteil der Spitex-Organisationen ohne Versorgungspflicht deutlich gestiegen

Knapp drei Viertel der gut 14'500 Luzerner Klienten/-innen wurden 2024 von 30 Spitex-Organisationen mit Versorgungspflicht betreut (74,3%); rund 2'800 Klienten/-innen von 41 Spitex-Organisationen ohne Versorgungspflicht und 36 selbständigen Pflegefachpersonen (19,4%). Weitere rund 900 Klienten/-innen (6,2%) erhielten Unterstützung von 10 Anbietern der Inhouse-Pflege oder im Rahmen von Tages- oder Nachtstrukturen.

2024 ist im Kanton Luzern die Zahl der Leistungserbringer in der ambulanten Hilfe und Pflege erneut gestiegen, auf insgesamt 117 Spitex-Organisationen und selbständige Pflegefachpersonen. Der Grossteil der neu hinzugekommenen Leistungserbringer sind Spitex-Organisationen ohne Versorgungspflicht. Ihr Anteil an allen Leistungserbringern ist auf 35,0 Prozent angestiegen (2023: 29,9%).

Kontinuierliche Zunahme der pflegerisch unterstützten Klienten/-innen

2024 nahmen im Kanton Luzern knapp 12'000 Personen ambulante Pflegeleistungen in Anspruch. Im Vorjahresvergleich ist wiederholt eine Zunahme zu beobachten (+6,5%). Im Bereich Hauswirtschaft und Sozialbetreuung wurden knapp 5'690 Personen versorgt. Gegenüber 2023 entspricht das einer Abnahme von 5,0 Prozent. Es ist zu beachten, dass Personen gleichzeitig sowohl ambulante Pflegeleistungen als auch Leistungen im Bereich Hauswirtschaft und Sozialbetreuung in Anspruch nehmen können.

Über alle Leistungserbringer wurden 2024 insgesamt rund 1,25 Millionen Leistungsstunden in der Spitex-Pflege sowie Hauswirtschaft und Sozialbetreuung erbracht. Rund 928'100 Stunden entfielen auf die pflegerische Unterstützung (74,1%) – gegenüber dem Vorjahr ein Plus von 7,2 Prozent. Rund 324'600 Stunden wurden im Bereich Hauswirtschaft und Sozialbetreuung geleistet (25,9%). Nachdem 2023 ein deutlicher Anstieg bei der Hauswirtschaft und Sozialbetreuung zu beobachten war, ist 2024 ein leichter Rückgang von 1,0 Prozent zu verzeichnen.

Deutliche Unterschiede zwischen den Leistungserbringern

Bei den Spitex-Organisationen ohne Versorgungspflicht stieg die Zahl der pflegerisch unterstützten Klientinnen und Klienten um 40,3 Prozent, die erbrachten Leistungsstunden nahmen um 23,7 Prozent zu. Im Vergleich dazu fielen die Vorjahresveränderungen bei den Spitex-Organisationen mit Versorgungspflicht moderat aus: In der Pflege erhöhte sich die Zahl Klienten/-innen um 3,6 Prozent, die Leistungsstunden stiegen um 1,6 Prozent.

Personal

Wachstum beim Spitex-Personal mit einem Pflege- oder Betreuungskurs

2024 waren im Kanton Luzern 3'000 Personen in Spitex-Organisationen oder als selbständige Pflegefachpersonen tätig (inkl. Leitung und Administration). Sie besetzten insgesamt 1'315 Vollzeitäquivalente (VZÄ). 85,5 Prozent dieser VZÄ entfielen auf das Personal der ambulanten Pflege sowie auf den Bereich Hauswirtschaft und Sozialbetreuung. Im Vorjahresvergleich entspricht dies einem Anstieg von 4,6 Prozent (2024: 1'124 VZÄ; 2023: 1'075 VZÄ).

Knapp 400 VZÄ entfielen auf Personal mit einer tertiären Pflegeausbildung (35,5%). Knapp 370 VZÄ (32,8%) wurde von Personen mit einer Grundbildung in der Pflege oder einer Ausbildung im Bereich Betreuung/Sozialtherapie abgedeckt. Im Jahr 2024 wurden 147 VZÄ mit Auszubildenden besetzt, was einem Anteil von 13,0 Prozent entspricht. Im Vergleich zum Vorjahr hat die Zahl der VZÄ in Ausbildung um 7,8 Prozent zugenommen, über die vergangenen Jahre lässt sich jedoch kein klarer Trend erkennen. Personen ohne berufsspezifische Ausbildung besetzten insgesamt 112 VZÄ (9,9%).

Einen markanten Anstieg um 27,5 Prozent gab es gegenüber dem Vorjahr beim Personal, das einen Pflege-/Betreuungskurs absolviert hat. Diese Personen besetzen insgesamt 97 Vollzeitäquivalente (VZÄ). Mehr als die Hälfte war bei Spitex-Organisationen ohne Versorgungspflicht angestellt (56 VZÄ). 2024 ist bei den Spitex-Organisationen ohne Versorgungspflicht ein überdurchschnittlich hoher Anstieg von 77,4 Prozent zu verzeichnen vs. -6,9 Prozent bei den Spitex-Organisationen mit Versorgungspflicht. Es ist anzunehmen, dass diese Entwicklung unter anderem mit der Anstellung von pflegenden Angehörigen zusammenhängt. Nahezu alle privatrechtlichen Spitex-Organisationen, die 2024 neu an der Spitex-Statistik teilgenommen haben, bieten pflegenden Angehörigen die Möglichkeit einer Anstellung an.

Seit 2019 haben pflegende Angehörige in der Schweiz die Möglichkeit, sich von einer Spitex-Organisation anstellen zu lassen. Voraussetzung dafür ist mindestens die Absolvierung eines Pflege-/Betreuungskurses. Neben einer finanziellen Entlastung und sozialen Absicherung profitieren pflegende Angehörige von der fachlichen Unterstützung der Spitex-Organisation.

Klientinnen und Klienten

Höhere Pflegeleistung pro Klient/in bei Spitex-Organisationen ohne Versorgungspflicht

2024 dauerte ein Einsatz in der ambulanten Pflege durchschnittlich 5,4 Monate und beanspruchte im Schnitt 77 Pflegestunden pro Klient/in. Knapp die Hälfte der Pflegestunden wurden von 80-jährigen und älteren Leistungsbezüger/innen in Anspruch genommen (49,3%).

Besonders intensive Pflegefälle werden häufig von Spitex-Organisationen ohne Versorgungspflicht betreut. Auch 2024 lag bei ihnen die durchschnittliche Pflegeleistung pro Klient/in mit 162 Stunden deutlich höher als bei den Spitex-Organisationen mit Versorgungspflicht, die im Schnitt 65 Leistungsstunden pro Klient/in erbrachten. Die durchschnittliche Dauer eines Leistungsbezugs fällt bei den Spitex-Organisationen ohne Versorgungspflicht mit 5,3 Monaten leicht kürzer aus als bei den Spitex-Organisationen mit Versorgungspflicht (5,5 Monate).

Bei den selbständigen Pflegefachpersonen ist 2024 die durchschnittliche Pflegeleistung mit 37 Stunden pro Klient/in leicht gesunken (2023: 42 Std.); die Dauer eines Leistungsbezugs blieb unverändert bei durchschnittlich 5,9 Monaten. Bei Klienten/-innen, die Inhouse-Pflege in Anspruch nahmen, lag die Dauer eines Leistungsbezugs (3,9 Monate) und einer Pflegeleistung pro Klient/in (41 Std.) deutlich unter dem Durchschnitt aller Leistungserbringer.

2024 wurden pro Klient/in im Durchschnitt 57 Leistungsstunden im Bereich der Hauswirtschaft und Sozialbetreuung eingesetzt (2023: 55 Std.). Mehr als die Hälfte der Leistungsstunden im Bereich Hauswirtschaft und Sozialbetreuung wurden von Leistungsbezüger/innen beansprucht, die über 80 Jahre alt waren (57,7%).

Pflegeintensität steigt mit zunehmendem Alter

Mit zunehmendem Alter steigt nicht nur die Zahl der Klienten/-innen an, sondern auch die Pflegeintensität sowie die Verweildauer in der ambulanten Pflege. 2024 entfiel gut ein Viertel der gepflegten Personen auf die Altersgruppe von 65 bis 79 Jahren (26,6%), während 41,1 Prozent 80 Jahre oder älter waren.

Die 65- bis 79-jährigen Klienten/-innen bezogen 2024 durchschnittlich während 5,1 Monaten insgesamt 80 Stunden Pflege. In dieser Altersgruppe nahm die Pflegeintensität pro Klient/in in den letzten Jahren kontinuierlich zu. Im Gegensatz dazu blieb die Dauer des Leistungsbezugs nahezu unverändert. Im Bereich Hauswirtschaft und Sozialbetreuung bezog diese Altersgruppe 2024 durchschnittlich 65 Leistungsstunden – 19,3 Prozent mehr als im Vorjahr (2023: 54 Std.).

2024 nahmen 80-jährige und ältere Klienten/-innen im Schnitt während 6,1 Monaten 93 Stunden Pflege und 64 Stunden Hauswirtschaft und Sozialbetreuung in Anspruch. Im Vorjahresvergleich entspricht das einem Wachstum von 4,5 Prozent in der Pflege und einem leichten Rückgang von 2,6 Prozent im Bereich Hauswirtschaft und Sozialbetreuung.

Ein Fünftel der Wohnbevölkerung ab 80 Jahren bezieht ambulante Pflegeleistungen

2024 wurden im Kanton Luzern 2,6 Prozent der gesamten Wohnbevölkerung von einem ambulanten Leistungserbringer pflegerisch betreut. In der Altersgruppe der 65- bis 79-Jährigen erhielten 5,2 Prozent und bei den 80-jährigen und älteren Personen 19,9 Prozent ambulante Pflegeleistungen. Frauen bezogen über diese Altersgruppen hinweg öfter ambulante Pflege als Männer.


LUSTAT Statistik Luzern / 25. September 2025 / Autorin: Antje Schattat

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