Schwerpunktfachwahl an Gymnasien

Die gymnasialen Maturitätsschulen vermitteln eine breite Allgemeinbildung und bereiten auf ein Studium an einer Universität oder einer anderen Hochschule vor. Spätestens ab dem 4. Schuljahr des Langzeitgymnasiums respektive dem 2. Schuljahr des Kurzzeitgymnasiums entscheiden sich die Lernenden für ein Schwerpunktfach sowie ein Ergänzungsfach. Sie geben ihrer Ausbildung damit ein individuelles Profil. Das Schwerpunktfach ist vor allem wissenschaftspropädeutisch ausgerichtet, das bedeutet, dass sich die Lernenden erste wissenschaftliche Arbeitsweisen aneignen. Ungeachtet des gewählten Schwerpunktfachs berechtigt die Maturität eines Schweizer Gymnasiums zum direkten und prüfungsfreien Zugang zu einer Universität.

Welche Schwerpunktfächer werden an den verschiedenen Kantonsschulstandorten im Kanton Luzern angeboten? Haben sich die Schwerpunktfach-Präferenzen der Gymnasiastinnen und Gymnasiasten im Lauf der Zeit verändert? Wählen Luzerner Studierende einen Studiengang in einem Fachgebiet, das mit dem gewählten Schwerpunktfach ihrer Maturität verwandt ist oder nicht? Gibt es Schwerpunktfächer, deren Absolventinnen und Absolventen später überdurchschnittlich häufig einen Bachelor- oder Masterabschluss erlangen? Diesen Fragen wird im Folgenden nachgegangen.

Angebot und Wahl der Schwerpunktfächer

Im Schuljahr 2023/24 besuchten im Kanton Luzern knapp 2'800 Lernende das Gymnasium auf der Sekundarstufe II, entweder an einer der acht Kantonsschulen oder am privaten Gymnasium St. Klemens (mit kantonalem Leistungsauftrag). Nicht Teil der vorliegenden Analyse ist die Kantonsschule für Erwachsene (MSE), die einen gymnasialen und einen Passerellen-Lehrgang anbietet (vgl. Kap. Bildungssystem).

Gymnasien im Kanton Luzern

Im Kanton Luzern kann die Maturität an folgenden Kantonsschulen und Gymnasien erlangt werden:

  • Kantonsschule Beromünster (LZG)
  • Kantonsschule Alpenquai Luzern (LZG, 5-jährige Sport- und Musikklassen)
  • Kantonsschule Musegg Luzern (KZG)
  • Kantonsschule Reussbühl Luzern (LZG, KZG)
  • Kantonsschule Schüpfheim / Gymnasium Plus (KZG, 5-jähriges Gymnasium Plus mit Schwerpunkt Musik, Kunst, Sprache, Schauspiel und Sport)
  • Kantonsschule Seetal (LZG, KZG)
  • Kantonsschule Sursee (LZG, KZG)
  • Kantonsschule Willisau (LZG, KZG)
  • Gymnasium St. Klemens (privates Untergymnasium, KZG mit kantonalem Leistungsauftrag)

Ausserdem bietet die Kantonsschule für Erwachsene (MSE) eine berufsbegleitende Maturität für Erwachsene sowie die Passerelle von der Berufs- oder Fachmaturität zur universitären Hochschule an.

LZG: Langzeitgymnasium
KZG: Kurzzeitgymnasium

Schwerpunktfach-Angebot an den Luzerner Gymnasien

Bis im Sommer 2024 war die Auswahl der Schwerpunktfächer gemäss Maturitätsanerkennungsreglement (MAR) schweizweit verbindlich festgelegt. Die Schulen konnten Schwerpunktfächer in folgenden acht Fächergruppen anbieten: Alte Sprachen (Latein und/oder Griechisch), eine moderne Sprache (eine dritte Landessprache, Englisch, Spanisch oder Russisch), Physik und Anwendungen der Mathematik, Biologie und Chemie, Wirtschaft und Recht, Philosophie/Pädagogik/Psychologie, Bildnerisches Gestalten, Musik (vgl. Art. 9 Abs. 3 MAR 95).

In der revidierten Fassung des Reglements, die im August 2024 in Kraft getretenen ist, sind die Vorgaben für die Schwerpunktfächer offener gehalten (vgl. Art. 12 MAR 2024). In Zukunft bestehen bei Fächerangebot und Fächerkombination mehr Möglichkeiten.

Weiterentwicklung der gymnasialen Maturität (WEGM)

Das Projekt "Weiterentwicklung der gymnasialen Maturität" (WEGM) wurde zwischen 2018 und 2024 durchgeführt. Ziel war insbesondere, die Grundlagen zu schaffen, um die Qualität der gymnasialen Maturität und den prüfungsfreien Zugang zu den Hochschulen langfristig zu gewährleisten. Getragen wurde das Projekt von der Konferenz der Erziehungsdirektorinnen und -direktoren (EDK) und dem Eidgenössischen Departements für Wirtschaft, Bildung und Forschung (WBF).

Kernelemente des Projekts waren die Revision des Anerkennungsreglements (MAR) und der dazugehörigen Verordnung (MAV) sowie die Überarbeitung des gesamtschweizerischen Rahmenlehrplans für die Maturitätsschulen. Die beschlossenen Änderungen sind am 1. August 2024 in Kraft getreten und enthalten auch Neuerungen betreffend Schwerpunktfächer.

Angebot an Schwerpunktfächern unterscheidet sich je nach Standort

Die Luzerner Gymnasien unterscheiden sich in ihrem Angebot an Schwerpunktfächern. Sie boten im Schuljahr 2023/24 zwischen drei (Gymnasium St. Klemens) und sieben (KS Musegg, Sursee, Reussbühl) verschiedene Schwerpunktfächer an.

Die Fächer "Biologie und Chemie" sowie "Wirtschaft und Recht" konnten im Schuljahr 2023/24 an allen Standorten mit Ausnahme der Kantonsschule Beromünster besucht werden. Das Schwerpunktfach "Alte Sprachen" wurde hingegen nur an drei Standorten (KS Beromünster, Reussbühl, Schüpfheim) angeboten.

Schwerpunktfächer im Kanton Luzern

An den Kantonsschulen und Gymnasien im Kanton Luzern wurden im Schuljahr 2023/24 acht Schwerpunktfächer angeboten:

  • Bildnerisches Gestalten (7 Standorte)
  • Biologie und Chemie (8 Standorte)
  • Moderne Sprachen (Italienisch oder Spanisch, 6 Standorte)
  • Alte Sprachen (Latein, 3 Standorte)
  • Musik (7 Standorte)
  • Philosophie/Pädagogik/Psychologie (5 Standorte)
  • Physik und Anwendungen der Mathematik (7 Standorte)
  • Wirtschaft und Recht (8 Standorte)

Unter Umständen ist für den Besuch eines bestimmten Schwerpunktfachs ein Schulwechsel nötig. Zum Beispiel wechseln Lernende von den Kantonsschulen Alpenquai und Reussbühl an die Kantonsschule Musegg, um das Schwerpunktfach "Philosophie/Pädagogik/Psychologie" zu besuchen.

Wahl des Schwerpunktfachs

In den letzten zehn Jahren blieb die Verteilung der Lernenden auf die Schwerpunktfächer relativ stabil. Das dürfte auch damit zusammenhängen, dass sich das Schwerpunktfächer-Angebot der Kantonsschulen wenig verändert hat.

"Wirtschaft und Recht" ist das meistgewählte Schwerpunktfach

An erster Stelle steht das Schwerpunktfach "Wirtschaft und Recht", das im Schuljahr 2023/24 von mehr als einem Viertel (26%) der Luzerner Gymnasiastinnen und Gymnasiasten der Sekundarstufe II besucht wurde. Am zweithäufigsten hatten die Lernenden das Fach "Biologie und Chemie" gewählt (20%). Für die Fächer "Moderne Sprachen" (13%), "Bildnerisches Gestalten" (12%), "Physik und Anwendungen der Mathematik" sowie "Philosophie/Pädagogik/Psychologie" (je 10%) hatte sich je rund 1 von 10 Personen entschieden.

Geschlechterpräferenzen für Schwerpunktfächer verändern sich im zeitlichen Vergleich kaum

Wird die Verteilung der Lernenden auf die Schwerpunktfächer nach Geschlecht betrachtet, zeigen sich zum Teil deutliche Unterschiede. Einzig das Schwerpunktfach "Biologie und Chemie" wurde in den letzten Jahren anteilmässig von den Frauen und den Männern ähnlich häufig gewählt.

Die Fächer "Philosophie/Pädagogik/Psychologie", "Musik", "Bildnerisches Gestalten" sowie "Moderne Sprachen" wurden von den Frauen häufiger gewählt als von den Männern. Das hat sich im Lauf der Zeit kaum verändert. Nur im Fach "Moderne Sprachen" (Italienisch oder Spanisch) war tendenziell eine Annäherung der Geschlechteranteile zu beobachten.

Die Fächer "Wirtschaft und Recht" sowie "Physik und Anwendungen der Mathematik" wurden in den vergangenen zehn Jahren deutlich häufiger von Männern gewählt. Jeweils über die Hälfte der Männer besuchte eines dieser Schwerpunktfächer. Im Fach "Wirtschaft und Recht" veränderten sich die Geschlechteranteile im betrachteten Zeitraum wenig. Im Fach "Physik und Anwendungen der Mathematik" verkleinerten sich die Unterschiede hingegen etwas: Tendenziell war der Männeranteil rückläufig, während der Frauenanteil zunahm.

Fächerwahl von Lernenden mit deutscher und anderer Erstsprache unterscheidet sich kaum

Zwischen Lernenden mit deutscher und nichtdeutscher Erstsprache sind nur geringe Unterschiede bei der Wahl des Schwerpunktfachs auszumachen. Im Vergleich wählten Lernende mit nichtdeutscher Erstsprache in den vergangenen zehn Jahren tendenziell etwas häufiger die Fächer "Biologie und Chemie" sowie "Wirtschaft und Recht"; tendenziell etwas seltener die Fächer "Philosophie/Pädagogik/Psychologie" und "Musik".

Die beiden sprachlichen Schwerpunktfächer wurden insgesamt von Lernenden mit nichtdeutscher Erstsprache ähnlich häufig gewählt wie von Lernenden mit deutscher Erstsprache. Tendenziell wählten Lernende mit nichtdeutscher Erstsprache etwas häufiger "Alte Sprachen" und etwas seltener "Moderne Sprachen" als Lernende mit deutscher Erstsprache.

Schwerpunktfächer werden meistens aufgrund persönlicher Interessen und Fähigkeiten gewählt

Im Rahmen der gesamtschweizerischen Evaluation der gymnasialen Maturität (EVAMAR) wurde 2003 eine repräsentative Stichprobe von Schülerinnen und Schülern zu den Gründen ihrer Schwerpunktfächerwahl befragt (vgl. SBFI 2005: 83f.). Als besonders wichtig wurden eigene Interessen und die Fähigkeiten im entsprechenden Gebiet eingestuft. Die späteren Ausbildungsmöglichkeiten und die Vorbereitung auf die Berufslaufbahn waren ebenfalls wichtig, diese Überlegungen spielten jedoch eine geringere Rolle.

Die Wahlmotive unterschieden sich je nach Schwerpunktfach: So war zum Beispiel für Schülerinnen und Schüler mit Schwerpunktfach "Alte Sprachen" und "Wirtschaft und Recht" das Interesse am Fach vergleichsweise weniger relevant, dafür fielen die späteren Ausbildungsmöglichkeiten stärker ins Gewicht.

Gesamtschweizerische Evaluation der gymnasialen Maturität (EVAMAR)

1995 wurde die gymnasiale Maturität einer umfassenden Reform unterzogen. In diesem Zug wurde das System von Grundlagen-, Schwerpunkt- und Ergänzungsfächern eingeführt.

Im Auftrag von Bund und Kantonen wurde das neue System zwischen 2002 und 2008 evaluiert. In einem ersten Projekt (2002-2004) wurden Lehrpersonen, Schülerinnen und Schüler sowie Schulleitungen schriftlich befragt (vgl. Schlussbericht EVAMAR I). In einer zweiten Projektphase wurden verschiedene Qualitätsaspekte der Maturitätsausbildung untersucht, unter anderem durch standardisierte Leistungstests (vgl. Schlussbericht EVAMAR II).

Ein zentrales Thema der Evaluation waren die flexiblen Bildungsprofile durch die neu eingeführten Schwerpunkt-und Ergänzungsfächer. Untersucht wurden unter anderem die Zufriedenheit mit den Wahlmöglichkeiten sowie die Auswirkungen der verschiedenen Bildungsprofile auf den Ausbildungserfolg.

Schwerpunktfächer und Studienverläufe an Hochschulen

Der Grossteil der Maturandinnen und Maturanden mit Wohnort im Kanton Luzern tritt in eine Hochschulausbildung ein: Von den rund 850 Personen, die im Jahr 2018 eine gymnasiale Maturität erlangt hatten, nahmen 95 Prozent innerhalb von dreieinhalb Jahren ein Hochschulstudium auf (vgl. Bildungsindikator Gymnasiale Maturität: Studieneintritt). Seit 2012 blieb die Quote der Studieneintritte der Luzerner Gymnasiastinnen und Gymnasiasten nahezu stabil und lag jeweils zwischen 94 und 96 Prozent.

Studierende an Hochschulen nach Schwerpunktfach

Mit der Wahl eines Schwerpunktfachs entscheiden sich Gymnasiastinnen und Gymnasiasten zwar für eine thematische Vertiefung ihrer Ausbildung, unabhängig davon stehen ihnen aber nach dem Maturitätsabschluss alle Studienrichtungen offen. Es ist jedoch zu erwarten, dass es Zusammenhänge zwischen dem besuchten Schwerpunktfach und dem weiteren Bildungsverlauf gibt, weil die Lernenden ihr Vertiefungsfach unter anderem aufgrund persönlicher Interessen und Fähigkeiten wählen (vgl. EVAMAR).

Luzerner/innen mit sprachlicher oder künstlerischer Maturität studieren anteilmässig häufiger an Fachhochschulen

Im Herbstsemester des Studienjahrs 2022/23 waren knapp 4'700 Luzerner Studierende mit einer Maturität eines Luzerner Gymnasiums für einen Bachelor- oder Masterstudiengang an einer Schweizer Hochschule eingeschrieben. Knapp drei Viertel von ihnen studierten an einer Universität (74%), ein Sechstel an einer Fachhochschule (16%) und ein Zehntel an einer pädagogischen Hochschule (10%).

Wird betrachtet, welche Schwerpunktfächer diese Studierenden an den Gymnasien belegt hatten, zeigen sich Unterschiede zwischen den Studierenden der verschiedenen Hochschultypen. Im Vergleich hatten Studierende an Universitäten ihre Maturität etwas häufiger mit den Schwerpunktfächern "Wirtschaft und Recht", "Biologie und Chemie" oder "Physik und Anwendungen der Mathematik" abgeschlossen. An den Fachhochschulen studierten anteilmässig besonders viele Personen mit einer Maturität in "Musik" oder "Bildnerischem Gestalten". In den Studiengängen der pädagogischen Hochschulen befanden sich überdurchschnittlich häufig Studierende mit einer Maturität in den Bereichen "Philosophie/Pädagogik/Psychologie", "Musik" sowie alte oder moderne Sprachen.

Anteil der Studierenden mit Schwerpunktfach "Wirtschaft und Recht" nimmt an Fach- und pädagogischen Hochschulen zu

Bei den Studierenden an den Universitäten veränderten sich die Schwerpunktfächer-Anteile zwischen den Studienjahren 2013/14 und 2022/23 kaum. Einzig bei zwei Fächern waren Tendenzen erkennbar: Der Anteil der Studierenden mit Maturität in "Bildnerischem Gestalten" nahm eher zu, während der Anteil mit Schwerpunkfach "Alte Sprachen" rückläufig war.

An den Fachhochschulen war im Studienjahr 2022/23 ein kleinerer Anteil an Studierenden mit gymnasialer Maturität mit Schwerpunkfach "Physik und Anwendungen der Mathematik" eingeschrieben als zehn Jahre zuvor (−7 Prozentpunkte). Hingegen ist vor allem der Anteil derjenigen Studierenden gewachsen, die ihre Maturität mit Schwerpunktfach "Wirtschaft und Recht" (+5 Prozentpunkte) oder "Moderne Sprachen" (+3 Prozentpunkte) erlangt hatten.

An den pädagogischen Hochschulen war ebenfalls ein Anstieg des Anteils der Studierenden mit Schwerpunktfach "Wirtschaft und Recht" zu beobachten (+6 Prozentpunkte gegenüber Studienjahr 2013/14). Im Gegenzug nahm vor allem der Anteil der Studierenden mit Schwerpunktfach "Philosophie/Pädagogik/Psychologie" (−7 Prozentpunkte) ab.

6 von 10 Studierende der Wirtschaftswissenschaften hatten das Schwerpunktfach "Wirtschaft und Recht" besucht

Die Studierenden der verschiedenen universitären Fachrichtungen unterscheiden sich bezüglich der Schwerpunktfächer, welche sie an den Gymnasien belegt hatten. Studierende mit fachlich verwandtem Schwerpunktfach sind in bestimmten Fachrichtungen überdurchschnittlich vertreten. Ein fachlich nicht verwandtes Schwerpunktfach am Gymnasium ist jedoch kein Hindernis bei der Wahl des Studienfachs: In allen Fachrichtungen sind Studierende aus allen Schwerpunktfächern vertreten.

In den Geistes- und Sozialwissenschaften waren im Studienjahr 2022/23 vor allem Studierende mit dem Schwerpunktfach "Philosophie/Pädagogik/Psychologie" überdurchschnittlich häufig vertreten (21%). In den Wirtschaftswissenschaften brachten knapp drei Fünftel den Hintergrund "Wirtschaft und Recht" mit (59%). In den Rechtswissenschaften war dies bei etwas weniger als der Hälfte der Fall (46%).

In den Naturwissenschaften und den Technischen Wissenschaften studierten anteilmässig besonders viele Personen, die ihre Maturität mit Schwerpunkfach "Physik und Anwendungen der Mathematik" abgeschlossen hatten (29% resp. 37%). Fast die Hälfte der Studierenden der Medizin und Pharmazie hatte eine Maturität mit dem Schwerpunktfach "Biologie und Chemie" erlangt (46%).

Auch an den Fachhochschulen gibt es Studienrichtungen, die besonders häufig von Studierenden mit entsprechendem Hintergrund belegt werden. So hatten im Studienjahr 2022/23 mehr als zwei Fünftel der Studierenden der Fachrichtungen "Musik, Theater und andere Künste" ihre Maturität mit Schwerpunktfach "Musik" erworben (45%); von den Studierenden im Fachbereich "Design" hatte ein ähnlich hoher Anteil ihre Maturität mit Schwerpunktfach "Bildnerisches Gestalten" erworben (43%). Von den Studierenden der Fachrichtung "Technik und IT" hatte knapp ein Drittel während des Gymnasiums das Schwerpunktfach "Physik und Anwendungen der Mathematik" gewählt gehabt (32%).

Studienverläufe und Studienerfolg

Studierende bringen je nach Schwerpunktfach, das sie am Gymnasium belegt hatten, einen unterschiedlichen Bildungshintergrund ins Studium mit. Dieser Hintergrund kann die Wahl des Hochschultyps und der Studienrichtung mit beeinflussen. Gibt es aber auch Unterschiede beim Studienerfolg je nach Schwerpunktfach, das am Gymnasium belegt worden ist? Schliessen Studierende mit unterschiedlichen Maturitätsschwerpunkten ihr Studium unterschiedlich häufig ab? Diesen Fragen wird im Folgenden nachgegangen.

Rund 8 von 10 Studierenden schliessen Bachelor innert fünf Jahren ab

Die Studienerfolgsquote misst den Anteil der Studierenden, die nach ihrem Eintritt in ein Bachelorstudium innert fünf Jahren einen Abschluss auf Bachelorstufe erzielt haben. Die Grundgesamtheit bilden die Studierenden, welche ihren Maturitätsausweis an einem Gymnasium im Kanton Luzern erlangt haben (ohne Studierende mit altrechtlichen Maturitätsausweisen). Abschlüsse, die in einem anderen Fach erlangt werden als in dem, mit dem das Studium gestartet worden ist, werden mitgezählt.

In den Jahren 2009 bis 2017 traten jeweils zwischen 750 und 883 Studierende mit Luzerner Maturität in ein Bachelorstudium ein. Von diesen acht Eintrittskohorten schlossen jeweils zwischen 78 und 84 Prozent ihr Hochschulstudium innert fünf Jahren mit einem Bachelor ab.

Studierende mit sprachlichem Schwerpunktfach schliessen besonders häufig ab

Die Studierenden mit Schwerpunktfach "Moderne Sprachen" wiesen für alle acht Eintrittskohorten der Jahre 2009 bis 2017 überdurchschnittliche Studienerfolgsquoten auf. Das heisst, sie haben überdurchschnittlich oft innert fünf Jahren ein Bachelorstudium abgeschlossen. Für die Studierenden mit Schwerpunktfach "Musik" oder "Bildnerisches Gestalten" war dies für sechs bzw. sieben der acht Eintrittskohorten der Fall.

Die Studierenden, die am Gymnasium die Schwerpunktfächer "Philosophie/Pädagogik/Psychologie" sowie "Physik und Anwendungen der Mathematik" belegt hatten, wiesen dagegen häufig unterdurchschnittliche Erfolgsquoten auf: Dies war für sechs der acht Eintrittskohorten mit diesen Schwerpunktfächern der Fall.

Anteil mit Masterabschluss innert 8 Jahren unterschiedlich je nach Schwerpunktfach

Von allen Studierenden mit Luzerner Maturität, die zwischen 2009 und 2014 in ein Bachelorstudium eingetreten waren, schlossen jeweils zwischen 51 und 59 Prozent innert acht Jahren nach ihrem Eintritt in das Bachelorstudium zusätzlich ein Masterstudium ab. Gut ein Zehntel der Studierenden (jeweils 12–14%) begann zwar mit einem Masterstudium, hatte dieses innert acht Jahren nach Bacheloreintritt aber (noch) nicht abgeschlossen. Rund ein Drittel (jeweils 27–35%) der Studierenden hatte in diesem Zeitraum nie mit einem Masterstudium gestartet.

Die Studierenden, die am Gymnasium die Schwerpunktfächer "Biologie und Chemie", "Physik und Anwendungen der Mathematik" sowie "Wirtschaft und Recht" belegt hatten, erlangten für alle Bachelor-Eintrittsjahre überdurchschnittlich häufig einen Masterabschluss. Für alle Bacheloreintrittsjahre unterdurchschnittliche Masterabschlussquoten wiesen die Studierenden mit den Schwerpunktfächern "Philosophie/Pädagogik/Psychologie", "Bildnerisches Gestalten" und "Musik" auf. Das könnte unter anderem damit zusammenhängen, dass diese Studierenden häufiger einen Bachelorabschluss an einer Fach- oder pädagogischen Hochschule erworben hatten, der in der Regel für den Berufseintritt qualifiziert.

Datenbasis und Literatur

Datenbasis

Der Bildungsbericht basiert hauptsächlich auf statistischen Daten. Die Wahl der Quellen und Auswertungsmethoden erfolgte auf der Grundlage statistischer Überlegungen und folgt den Qualitätskriterien der öffentlichen Statistik.

Für einzelne Auswertungen sind weitere Datenquellen des Bundsamts für Statistik sowie Statistiken kantonaler Stellen verwendet worden.

Literatur

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