Bildungsnutzen
Neben dem Bildungserwerb in Schule, Ausbildungsbetrieb oder Hochschule erwerben wir in vielen weiteren Lebensbereichen und -situationen Wissen, Kenntnisse und Erfahrungen. Diese Bildungsressourcen bereichern das Privatleben, gleichzeitig ermöglichen und erleichtern sie die Teilnahme am wirtschaftlichen und politischen Leben. So bilden Bildungsabschlüsse beispielsweise die Voraussetzung für berufliche Karrieren, oder spezifische Kenntnisse ermöglichen die Mitgestaltung öffentlicher Angelegenheiten. Bildung stiftet somit auf vielfältige Weise einen Nutzen für die einzelnen Individuen. Aber auch die Gesellschaft als Ganzes profitiert von einer gut gebildeten Bevölkerung, beispielsweise in Form von hohen Steuereinnahmen, einer kompetitiven Wirtschaft oder einem breit verankerten Umweltbewusstsein.
Individueller Nutzen
Bildung stiftet monetären wie nichtmonetären Nutzen. Aus Sicht des Individuums äussert sich der monetäre Nutzen von Bildung in einer erhöhten Wahrscheinlichkeit, am Arbeitsmarkt teilnehmen und eine gut entlohnte Erwerbstätigkeit ausüben zu können (SKBF 2023: 364). Auch in nichtmonetärer Hinsicht stellt Bildung eine zentrale Ressource dar, die beispielsweise die subjektive Lebenszufriedenheit oder den Gesundheitszustand beeinflusst.
Erwerbsbeteiligung und Erwerbslosigkeit
Erwerbsarbeit dient der materiellen Existenzsicherung, aber auch der Sinnstiftung und der gesellschaftlichen Integration (Rippmann/Körner/König 2015). Bildung wirkt über verschiedene Kanäle auf die Wahrscheinlichkeit ein, am Arbeitsleben teilzuhaben. So kann ein niedriger Ausbildungsabschluss gewollte Nichterwerbstätigkeit begünstigen, wenn mit tiefem Lohn und schlechten Arbeitsbedingungen gerechnet werden muss. Wird eine Erwerbstätigkeit angestrebt, erhöht ein besseres Ausbildungsniveau im Allgemeinen die Wahrscheinlichkeit, eine Stelle zu finden. Auch das Risiko, erwerbslos zu werden, ist von der Bildung beeinflusst, weil sich die ursprünglich erworbenen Kompetenzen im Verlauf der Zeit entwerten. Die Geschwindigkeit der Entwertung hängt unter anderem zusammen mit den konkret erworbenen Kompetenzen (wie der beruflichen Spezifität) oder dem Tempo und der Art des technologischen Wandels im ausgeübten Beruf (SKBF 2023: 364f.).
Je höher der Bildungsabschluss, desto grösser die Erwerbsbeteiligung
Personen mit höherem Ausbildungsabschluss sind insgesamt häufiger am Arbeitsmarkt aktiv als Personen mit tieferer Ausbildung. Dies zeigt sich an der Erwerbsquote, welche die Erwerbspersonen – das sind Erwerbstätige und Erwerbslose – ins Verhältnis zur Wohnbevölkerung setzt. Nimmt man die Strukturerhebung 2022 des Bundesamts für Statistik (BFS) als Basis, beträgt die Erwerbsquote unter den 25- bis 64-jährigen Luzernerinnen und Luzernern mit Tertiärabschluss 92 Prozent (CH: 91%). Mit höchstem Abschluss auf Sekundarstufe II sind es 86 Prozent (CH: 85%). Personen dieses Alters ohne nachobligatorischen Abschluss partizipieren deutlich seltener am Arbeitsmarkt: Bei ihnen liegt die Erwerbsquote bei 73 Prozent (CH: 72%).
Die nach Ausbildungsniveau abgestuften Erwerbsquoten treten seit Beginn der Messreihe im Jahr 2010 zum Vorschein. Mehr zur Entwicklung der Erwerbsbeteiligung – dort für die Referenzpopulation der 15- bis 64-Jährigen – findet sich im gleichnamigen Bildungsindikator.
Bei den Frauen sind die bildungsstufenspezifischen Unterschiede in Bezug auf die Erwerbsbeteiligung ausgeprägter als bei den Männern. Luzerner Frauen mit Tertiärabschluss sind zu 89 Prozent auf dem Arbeitsmarkt aktiv, jene mit Sek-II-Abschluss zu 82 Prozent. Von den Frauen ohne Abschluss nach der obligatorischen Schulzeit nehmen weniger als zwei Drittel (64%) am Erwerbsleben teil. Bei den Luzerner Männern bewegen sich die Erwerbsquoten in einem schmaleren Band zwischen 95 Prozent (tertiäre Ausbildung) und 85 Prozent (ohne nachobligatorische Ausbildung). Betrachtet wird hierbei erneut die 25- bis 64-jährige Wohnbevölkerung im Jahr 2022.
Risiko für Erwerbslosigkeit nimmt mit steigendem Bildungsniveau ab
Parallel zur steigenden Erwerbsbeteiligung sinkt das Risiko für Erwerbslosigkeit, je höher der Ausbildungsabschluss ist. Gemäss Strukturerhebung 2022 sind im Kanton Luzern 5 Prozent der Erwerbspersonen, die höchstens die obligatorische Schule abgeschlossen haben, erwerbslos (CH: 8%). Bei den Personen mit Abschluss auf Sekundarstufe II beträgt die Erwerbslosenquote 3 Prozent (CH: 4%), bei jenen mit Abschluss auf Tertiärstufe 2 Prozent (CH: 3%). Als erwerbslos gelten Personen, die aktiv eine Stelle suchen, wobei es unerheblich ist, ob sie bei einem regionalen Arbeitsvermittlungszentrum gemeldet sind oder nicht.
Dass sich die Höhe der Bildungsqualifikation positiv auf die Beschäftigungssicherheit auswirkt, ist in allen Jahren der seit 2010 existierenden Strukturerhebung gut sichtbar (siehe dazu auch den Bildungsindikator Erwerbslosigkeit). Besonders ausgeprägt waren die Unterschiede während der Covid-19-Pandemie: Ende 2020 lag die Erwerbslosenquote im Kanton Luzern auf Tertiärstufe bei 2 Prozent, auf Sekundarstufe II bei 4 Prozent und ohne nachobligatorischen Abschluss bei 9 Prozent.
Löhne
Geht eine Person einer bezahlten Arbeit nach, beeinflusst ihre Ausbildung die Verdienstmöglichkeiten. Lohnunterschiede entstehen einerseits, weil unterschiedlich ausgebildete Personen unterschiedliche Kompetenzen erworben haben und sich daher auch in ihrer Produktivität unterscheiden. Zur Produktivität einer Person gehört dabei die Produktivität hinsichtlich einer bestimmten Tätigkeit, aber auch die Fähigkeit, komplexe oder sich häufig wandelnde Aufgaben zu bewältigen. Bildungsabhängige Lohndifferenzen können sich anderseits ergeben, wenn a priori produktivere, besser bezahlte Stellen tendenziell an höher qualifizierte Personen vergeben werden (SKBF 2023: 367).
Höchste mittlere Löhne bei Angestellten mit Tertiärabschluss
Gemäss Lohnstrukturerhebung 2022 des Bundesamts für Statistik (BFS) beläuft sich der mittlere monatliche Bruttolohn in der Luzerner Wirtschaft auf 6'600 Franken (privater und öffentlicher Sektor ohne Landwirtschaft). Als Mittelwert dient hier der Median; die eine Hälfte der Arbeitnehmenden bezieht einen Lohn, der über diesem Wert liegt, und die andere Hälfte einen darunterliegenden. Zur besseren Vergleichbarkeit sind die Löhne auf ein einheitliches Vollzeitpensum hin standardisiert.
Die monatlichen Verdienste steigen mit zunehmender Bildungsstufe deutlich an: Für Arbeitnehmende ohne nachobligatorischen Abschluss beträgt der mittlere Bruttolohn 5'300 Franken, für jene mit einem Abschluss auf Sekundarstufe II 6'000 Franken und für jene mit einem tertiären Abschluss 8'700 Franken.
Gegenüber 2008 – dem ersten Erhebungsjahr, für das kantonale Resultate vorliegen – erhöhten sich die mittleren Löhne der Personen ohne nachobligatorischen Abschluss sowie der Personen mit Sek-II-Abschluss um 600 Franken. Bei den Personen mit Tertiärabschluss betrug der Anstieg 500 Franken. Aufgrund der ähnlichen Lohnentwicklung blieben die Lohnunterschiede nach Ausbildungsniveau zwischen 2008 und 2022 in etwa konstant.
Chancen auf Kaderposition und Bildungsabschluss hängen zusammen
Neben dem Ausbildungsniveau beeinflussen weitere Faktoren wie das Dienstalter, die Branchenzugehörigkeit oder die berufliche Stellung die Lohnhöhe. Das Ausbildungsniveau korreliert mit einigen dieser Faktoren eng. Beispielsweise vergrössert ein höherer Abschluss die Chance auf eine Kaderposition, und diese wirkt sich wiederum auf den Lohn aus. Angestellte in Luzern ohne Kaderfunktion erreichen im Median einen Bruttolohn von 6'100 Franken, Angestellte im unteren Kader dagegen einen Bruttolohn von 7'900 Franken und solche im mittleren und oberen Kader einen Bruttolohn von 9'600 Franken.
Lohngefälle zwischen Frauen und Männern auf allen Bildungsstufen
Im Mittel verdienen Frauen auf allen Bildungsstufen weniger als Männer. Besonders gross ist das Gefälle auf Tertiärstufe, wo der Bruttomedianlohn der Frauen 1'600 Franken tiefer liegt als jener der Männer.
Die Differenzen sind teilweise mit Unterschieden bei lohnrelevanten Personen-, Arbeitsplatz- und Unternehmensmerkmalen begründbar. Frauen besetzen beispielsweise seltener eine Kaderstelle und arbeiten häufiger in Tieflohnbranchen wie dem Detailhandel oder dem Gastgewerbe als Männer. Ein Teil der Differenzen bleibt jedoch unerklärt. Die geschlechterspezifischen Lohnunterschiede werden im Webartikel Löhne im Kanton Luzern 2022 ausgeleuchtet, wobei nur die privatwirtschaftliche Lohnlandschaft behandelt wird (d.h. ohne öffentlichen Sektor).
Unterdurchschnittlicher Luzerner Medianlohn auf Tertiärstufe und Sekundarstufe II
Im Kanton Luzern ist das Lohnniveau niedriger als in der Gesamtschweiz. Im Jahr 2022 beläuft sich der schweizweite Bruttomedianlohn auf 6'800 Franken pro Monat, womit der Unterschied zu Luzern insgesamt 200 Franken ausmacht.
Der Rückstand vom Luzerner zum Schweizer Medianlohn ist bei den tertiär gebildeten Arbeitnehmenden mit 400 Franken besonders ausgeprägt. Mit Abschluss auf Sekundarstufe II beträgt er 200 Franken. Diese Werte sind ähnlich hoch wie in den meisten Jahren seit 2008 (vgl. auch Bildungsindikator Lohnunterschiede). Bei den Arbeitnehmenden ohne nachobligatorischen Abschluss ist aufgrund der statistischen Unschärfe der hochgerechneten Löhne keine eindeutige Aussage darüber möglich, ob das Luzerner oder das Schweizer Lohnniveau höher ist.
Zufriedenheit mit eigener Ausbildung
Bildung prägt das Leben auch abseits der Arbeitswelt. In der Wissenschaft diskutiert werden unter anderem ihre positiven Effekte auf die Lebenszufriedenheit, die Gesundheit, das friedliche Zusammenleben oder das Umweltverhalten. Obwohl es zahlreiche direkte und indirekte Kanäle gibt, über welche Bildung die jeweiligen Lebensbereiche potenziell beeinflusst, sind die kausalen Beziehungen allerdings nicht immer eindeutig bestimmbar und quantifizierbar (SKBF 2023: 370ff.).
Luzernerinnen und Luzerner sind mit ihrer Ausbildung mehrheitlich zufrieden
Nicht zuletzt trägt Bildung dazu bei, dass sich die Einzelne oder der Einzelne besser entfalten kann. Wie der persönliche Bildungserfolg eingeschätzt wird, spiegelt sich indirekt in der Zufriedenheit mit der eigenen Ausbildung.
In der kantonalen Bevölkerungsbefragung 2023 geben 84 Prozent der Luzernerinnen und Luzerner im Alter ab 15 Jahren an, mit der Qualität der eigenen Ausbildung «sehr zufrieden» oder «eher zufrieden» zu sein. Die Beurteilung fällt umso besser aus, je höher der Ausbildungsabschluss ist. Unter den Personen ohne nachobligatorischen Abschluss beträgt der Anteil der Zufriedenen 71 Prozent. Personen mit Abschluss auf Sekundarstufe II oder mit Abschluss auf Tertiärstufe zeigen sich häufiger zufrieden, nämlich zu 78 respektive zu 91 Prozent.
Viele Personen im Alter von 15 bis 24 Jahren befinden sich in Ausbildung und haben ihren höchsten Bildungsabschluss noch nicht erreicht. Betrachtet man nur die Wohnbevölkerung ab 25 Jahren, fällt die Zufriedenheit unter den Personen mit Sek-II-Abschluss oder mit tertiärem Abschluss praktisch unverändert aus. Personen, die auch nach Erreichen des 25. Altersjahrs keine nachobligatorische Ausbildung absolviert haben, sind 2023 indes nur zu 51 Prozent mit ihrer Ausbildung zufrieden.
Über alle Bildungsstufen hinweg hat sich die Zufriedenheit mit der Qualität der eigenen Ausbildung seit der erstmaligen Befragung 2009 nicht wesentlich verändert (vgl. Bildungsindikator Zufriedenheit mit Ausbildung). Auf den einzelnen Bildungsstufen schwankt die Zufriedenheit im zeitlichen Verlauf zum Teil stärker, ohne aber klaren Trends zu folgen.
Gesellschaftlicher Nutzen
Neben dem individuellen Nutzen schafft Bildung auch einen gesamtgesellschaftlichen Nutzen, wobei dieser wiederum monetäre wie nichtmonetäre Aspekte umfasst. Zum monetären gesamtgesellschaftlichen Nutzen gehören etwa ein stärkeres Wirtschaftswachstum, ein höheres allgemeines Lohnniveau oder steigende Steuererträge. Auch jenseits der wirtschaftlichen und fiskalischen Impulse kommt der Bildung eine wichtige Rolle zu, weil sie beispielsweise einen Beitrag zur Vermeidung von Krankheiten, Umweltschäden, Kriminalität oder politischen Konflikten leisten kann. Obwohl diese Effekte nichtmonetärer Natur sind, entfalten sie oft auch eine monetär bewertbare Wirkung (SKBF 2023: 368ff.).
Bildungsexpansion
Gleich wie die gesamte Schweiz profitiert der Kanton Luzern von einer starken Bildungsexpansion, also einer zunehmenden Höherqualifizierung der Bevölkerung. Diese langfristige Entwicklung hat sich in den Jahren seit 2010 fortgesetzt. Im Jahr 2022 besitzen der Strukturerhebung des Bundesamts für Statistik zufolge 45 Prozent der Luzernerinnen und Luzerner im Alter von 25 bis 64 Jahren einen Ausbildungsabschluss auf Tertiärstufe; im Jahr 2010 waren es 28 Prozent gewesen. Eine Zunahme zeigt sich vor allem bei den Hochschulabsolventinnen und -absolventen, aber auch die höhere Berufsbildung gewann an Bedeutung. Spiegelbildlich verlief die Verschiebung bei den Personen mit einem höchsten Ausbildungsabschluss auf Sekundarstufe II: Ihrem Bevölkerungsanteil von 43 Prozent im Jahr 2022 steht ein Anteil von 54 Prozent im Jahr 2010 gegenüber.
In der Gesamtschweiz ist ebenso ein Anstieg des Bildungsniveaus festzustellen wie im Kanton Luzern. In der betrachteten Zeitspanne war der Bevölkerungsanteil mit Abschluss auf Tertiärstufe dabei gegenüber dem Kanton Luzern stets höher (2022: 46%; 2010: 32%) und der Anteil mit Abschluss auf Sekundarstufe II stets tiefer (2022: 40%; 2010: 49%). Die Bildungsstände haben sich aber tendenziell angeglichen.
Weniger Frauen ohne nachobligatorische Ausbildung
Die Bildungsexpansion manifestiert sich nicht nur in der rasanten Zunahme der Personen mit Abschluss auf Tertiärstufe, sondern auch im stetigen Rückgang der Personen ohne nachobligatorischen Abschluss. Unter den 25- bis 64-Jährigen im Kanton Luzern ist letzterer Anteil von 18 Prozent im Jahr 2010 auf 12 Prozent im Jahr 2022 gesunken (CH 2010: 19%; CH 2021: 14%).
Eine Veränderung fand im beobachteten Zeitraum vor allem bei den Frauen statt, wo der Anteil ohne nachobligatorischen Abschluss kantonsweit von 22 auf 14 Prozent gesunken ist. Bei den Männern sind die Fortschritte weniger ausgeprägt (2010: 14%; 2022: 11%). Weitere Informationen zum Thema finden sich im Bildungsindikator Bildungsstand.
Nicht nur Ausgebildete profitieren
Der gesellschaftliche Nutzen der Bildung erstreckt sich nicht ausschliesslich auf die ausgebildeten Personen. Grund dafür sind sogenannte externe Effekte. Positive externe Effekte entstehen, wenn Bildung einen Nutzen für Personen stiftet, die sich nicht respektive wenig gebildet haben. Positive externe Effekte spielen beispielweise in der Arbeitswelt eine Rolle, wenn weniger gebildete Erwerbstätige dank der Zusammenarbeit mit besser gebildeten Kolleginnen und Kollegen produktiver werden und einen höheren Lohn erzielen. Negative externe Effekte sind Kosten der Nichtbildung, welche auf die Gesellschaft überwälzt werden. Sie können beispielsweise reduziert werden, wenn sich durch zusätzliche Bildung ein nachhaltigeres Umweltverhalten einstellt oder weniger kriminelles oder anderes sozial schädliches Verhalten auftritt (SKBF 2023: 369).
Ein besonders grosses Potenzial für die Vermeidung von negativen externen Effekten besteht beim Übergang von einem sehr tiefen zu einem mittleren Bildungsstand, also wenn eine nachobligatorische Ausbildung absolviert wird (SKBF 2023: 369). Mit einer nachobligatorischen Ausbildung steigen die beruflichen Chancen, während die Risiken der Armut und der mangelhaften sozialen Integration minimiert werden. Davon profitieren sowohl die betreffenden Personen als auch die Gesellschaft als Ganzes. Ein nachobligatorischer Abschluss gilt zudem als wichtige Grundlage für die Teilnahme am lebenslangen Lernen (SBFI: Berufliche Grundbildung).
Fiskalische Bildungsrendite
Die fiskalische Bildungsrendite stellt den staatlichen Bildungsausgaben die Steuererträge, die dank Bildung zusätzlich generiert werden, und die tieferen staatlichen Transferleistungen gegenüber (SKBF 2023: 368). Zusätzliche Steuererträge können sich ergeben, weil die Löhne mit mehr Bildung tendenziell ansteigen und hohe Einkommen infolge der Progression steuerlich stärker belastet werden als niedrige. Das Ausmass der fiskalischen Rendite hängt von zahlreichen Faktoren ab, etwa von der Höhe der öffentlichen Bildungsausgaben, den bildungsbedingten Lohnvorteilen, dem Beschäftigungsgrad der ausgebildeten Personen oder dem Verlauf der Steuerprogression (vgl. SKBF 2018: 312f.).
Mit der Statistik zur finanziellen Situation der Haushalte von LUSTAT Statistik Luzern können Aussagen zur Höhe der Steuern der Luzernerinnen und Luzerner in Abhängigkeit des Ausbildungsniveaus gemacht werden. Im Folgenden wird auf Basis dieser Quelle die steuerliche Situation der 1-Erwachsenen-Haushalte im Erwerbsalter und der 2-Erwachsenen-Haushalte im Erwerbsalter beleuchtet; mehr zu diesen Haushaltsgruppen findet sich in der anschliessenden Infobox. Als Steuerbetrag ausgewiesen wird die von den Haushaltsmitgliedern insgesamt entrichtete Einkommens- und Vermögenssteuer, wobei die Staats- und Gemeindesteuer, die direkte Bundessteuer sowie die Quellensteuer berücksichtigt werden.
Im Rahmen der Analyse der steuerlichen Situation der Haushalte werden die beiden Haushaltsgruppen «1-Erwachsenen-Haushalte im Erwerbsalter» und «2-Erwachsenen-Haushalte im Erwerbsalter» betrachtet. Das sind Privathaushalte mit einer respektive zwei volljährigen Personen im Haushalt, wobei das älteste Haushaltsmitglied jeweils ein Alter zwischen 25 und 64 Jahren aufweisen muss.
Zwischen einer oder zwei volljährigen Personen im Haushalt wird unterschieden, weil die Zahl der Erwachsenen das Einkommens- und Steuerpotenzial eines Haushalts wesentlich mitbestimmt. Die untere Altersgrenze erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass die erwachsenen Personen ihren höchsten Ausbildungsabschluss bereits erreicht haben, während die obere Altersgrenze das Risiko vermindert, dass Rentnerinnen und Rentner mitbetrachtet werden.
Trotz dieser Massnahmen zur Verbesserung der Aussagekraft sind sowohl die 1-Erwachsenen-Haushalte im Erwerbsalter als auch die 2-Erwachsenen-Haushalte im Erwerbsalter sehr heterogen zusammengesetzt. Die in diesen Gruppen versammelten Haushalte unterscheiden sich nicht zuletzt hinsichtlich ihrer Erwerbssituation (z.B. mit/ohne Erwerbstätigkeit, Anfang/Ende der Berufskarriere, alleinverdienende/doppelverdienende Paare) und ihrer Familienverhältnisse (z.B. mit/ohne Kinder, unverheiratete/verheiratete Paare). Die ausgewiesenen Steuerbeträge sind darum nicht nur vom Ausbildungsniveau, sondern auch von diversen anderen Faktoren beeinflusst.
Haushalte von Personen mit Tertiärabschluss zahlen tendenziell mehr Steuern
Die Steuerrechnungen werden tendenziell grösser, je höher der Ausbildungsabschluss und somit das Erwerbseinkommen ist. Die Spannbreite der entrichteten Steuern ist aber erheblich. Werden die 1-Erwachsenen-Haushalte im Erwerbsalter mit tertiärem Abschluss betrachtet, bewegen sich die mittleren 50 Prozent der Steuerrechnungen 2020 – das sind jene zwischen dem 25. und dem 75. Perzentil – im Bereich von 5'300 bis 13'800 Franken (Median: 8'800 Fr.). Mit einem höchsten Abschluss auf Sekundarstufe II liegen diese Grenzen bei 3'000 und 8'600 Franken (Median: 5'700 Fr.). Die 1-Erwachsenen-Haushalte ohne nachobligatorischen Abschluss entrichten zu 50 Prozent Steuern im Umfang von 400 bis 7'400 Franken (Median: 4'500 Fr.); 25 Prozent dieser Haushalte zahlen weniger als 400 Franken, wovon die meisten gar keine Einkommens- und Vermögenssteuer abliefern.
Bei den 2-Erwachsenen-Haushalten im Erwerbsalter – in den allermeisten Fällen sind es verheiratete und unverheiratete Paare – treten ebenfalls klare Unterschiede abhängig vom Ausbildungsniveau zum Vorschein (vgl. zweite Darstellung im obigen Grafikfenster). Da potenziell zwei Personen zum Haushaltseinkommen beitragen, sind die Steuern noch breiter gestreut. Besonders gross ist die Spannbreite bei den Haushalten, denen mindestens eine tertiär gebildete Person angehört. Bei ihnen beläuft sich das 25. Steuerperzentil im Jahr 2020 auf 8'200 Franken, das 75. Steuerperzentil hingegen auf 21'700 Franken (Median: 13'900 Fr.). Mit einem höchsten Abschluss auf Sekundarstufe II bewegen sich die mittleren 50 Prozent der Steuerrechnungen zwischen 4'900 und 13'300 Franken (Median: 8'500 Fr.). Ohne nachobligatorischen Abschluss reicht diese Zone von 1'900 bis 10'100 Franken (Median: 5'300 Fr.).
Vergleichsweise hohes Sozialhilferisiko bei Personen mit tiefem Bildungsstand
Personen mit höherem Ausbildungsabschluss zahlen in der Tendenz nicht nur mehr Steuern, sondern beziehen auch weniger staatliche Transferleistungen als solche mit tieferem Abschluss. Dieser Aspekt der fiskalischen Bildungsrendite wird beispielsweise sichtbar, wenn man die Sozialhilfequote 2022 der in Privathaushalten lebenden Luzernerinnen und Luzerner im Alter von 25 bis 64 Jahren betrachtet. Gemessen an der Gesamtbevölkerung dieses Alters am Ende des Vorjahrs beziehen 2,2 Prozent wirtschaftliche Sozialhilfe. Unter den Personen ohne nachobligatorische Ausbildung beträgt die Sozialhilfequote 8,6 Prozent. Personen mit einem Abschluss auf Sekundarstufe II geraten deutlich seltener in die Abhängigkeit wirtschaftlicher Sozialhilfe (Quote: 1,5%). Bei tertiär ausgebildeten Personen ist die Sozialhilfequote mit 0,3 Prozent nochmals tiefer.
Auf Sekundarstufe II und auf Tertiärstufe hat die Sozialhilfequote seit 2011 praktisch keine Veränderung erfahren. Im Gegensatz dazu nahm der Anteil der Sozialhilfebeziehenden unter den Personen ohne nachobligatorische Ausbildung kontinuierlich zu. Auf dieser Bildungsstufe lag die Sozialhilfequote 2011 bei 5,4 Prozent und damit 3,2 Prozentpunkte tiefer als 2022. Die Zahlen beziehen sich wiederum auf die Personen im Alter von 25 bis 64 Jahren.
Die verhältnismässig geringe Sozialhilfeabhängigkeit von Personen mit nachobligatorischem Bildungsabschluss erklärt sich unter anderem damit, dass eine absolvierte Ausbildung den Zugang zum Arbeitsmarkt erleichtert, das Risiko für Erwerbslosigkeit verringert und die Aussichten auf ein existenzsicherndes Einkommen erhöht. Weitere Ausführungen zur Sozialhilfe im Kanton Luzern 2022 macht der gleichnamige Webartikel. Eine detaillierte Analyse des Zusammenhangs zwischen Bildung und Sozialhilfe findet sich zudem im LUSTAT Aktuell 2021/01 zur Sozialhilfe im Kanton 2019.
Gesellschaftliche und politische Teilnahme
Bildung hat einen wesentlichen Einfluss auf die gesellschaftlichen Partizipationsmöglichkeiten. Dies zeigt sich exemplarisch daran, dass der Anteil der Personen, die im Jahr 2022 – zurückblickend auf die letzten 12 Monate vor ihrer Befragung – an Aktivitäten von Vereinen, Gesellschaften, Klubs, Parteien oder anderen Gruppen teilgenommen haben, je nach Ausbildungsniveau verschieden hoch ist. Unter den in der Schweiz wohnhaften Personen im Alter ab 18 Jahren ohne nachobligatorischen Abschluss beträgt dieser Anteil 21 Prozent, unter den gleichaltrigen Personen mit Abschluss auf Sekundarstufe II 36 Prozent und unter jenen mit tertiärem Abschluss 47 Prozent (Quelle: Erhebung über die Einkommen und Lebensbedingungen des BFS).
Besonders wichtig ist in einer Demokratie die politische Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger. Sie stellt eine Bedingung für das Funktionieren der politischen Institutionen sowie eine Quelle ihrer Legitimation dar. Gesamtschweizerische Zahlen belegen einen klar positiven Zusammenhang zwischen der Höhe des Bildungsabschlusses und einer häufigen Teilnahme an einer eidgenössischen Abstimmung. Die Frage, ob ein höheres Ausbildungsniveau die politische Aktivität kausal begünstigt, wird in der Forschung allerdings unterschiedlich bewertet (SKBF 2023: 375f.).
Literatur
- Rippmann, Dorothee; Martin Körner, Mario König (2025): Arbeit. In: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS). (Abgerufen: August 2024)
- Schweizerische Koordinationsstelle für Bildungsforschung (2023): Bildungsbericht Schweiz 2023. Aarau.
- Schweizerische Koordinationsstelle für Bildungsforschung (2018): Bildungsbericht Schweiz 2018. Aarau.
- Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation: Berufliche Grundbildung (abgerufen: August 2024)
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