Arbeitsbedingungen 2023

Zunahme der regelmässigen Wochenendarbeit

Gemäss den neusten publizierten Daten der Schweizerischen Arbeitskräfteerhebung (SAKE) 2023 werden in der Luzerner Bevölkerung rund 197'600 Arbeitnehmer/innen gezählt. Die wöchentliche Normalarbeitszeit bei einem Pensum von 100 Prozent beläuft sich auf 42,1 Stunden. Damit ist sie gleich hoch wie noch im Jahr 2013 und variiert kaum nach Geschlecht, Altersgruppe, Nationalität, Ausbildungsniveau oder Branche.

Seit 2013 haben sowohl bei Frauen wie bei Männern höhere Teilzeitpensen (50–89%) zugenommen. Knapp die Hälfte (48%) der Luzerner Arbeitnehmer/innen kann über die Einteilung der Arbeitszeit relativ frei entscheiden. Das heisst, sie oder er ist in Wochen-/Monats- oder Jahresarbeitszeit angestellt oder folgt keinen formalen Arbeitszeitvorgaben. Seit 2020 relativ deutlich zugenommen hat die Samstags- und Sonntagsarbeit, wobei ein gewisser Methodeneffekt nicht ausgeschlossen werden kann. Seit 2021 ist zudem ein gewisser Trend zur vermehrten Arbeit zu Hause festzustellen.

Der vorliegende Webartikel analysiert die Arbeitsbedingungen der in Luzern wohnhaften Arbeitnehmer/innen, d.h. ohne Selbstständigerwerbende oder Lernende in der Berufsbildung. Eine Analyse der Teleheimarbeit von Erwerbstätigen (d.h. inkl. Selbstständigerwerbende aber ohne Lernende) auf Ebene Gesamtschweiz findet sich auf der Webseite des Bundesamts für Statistik.

Frauen und Männer arbeiten vermehrt in höheren Teilzeitpensen

Der Anteil der Frauen an allen Arbeitnehmer/innen ist im Zeitraum von 2013 bis 2023 von rund 48 Prozent auf 49 Prozent angestiegen – arbeitnehmende Frauen und Männer halten sich entsprechend fast die Waage.

2023 arbeiteten 83 Prozent der arbeitnehmenden Männer und 37 Prozent der arbeitnehmenden Frauen Vollzeit (Pensum 90+ Prozent). In einem Teilzeitpensum von 50 bis 89 Prozent arbeiteten 13 Prozent der Männer und 39 Prozent der Frauen. Noch klarer übervertreten waren die Frauen in kleineren Teilzeitpensen von weniger als 50 Prozent: 4 Prozent der Männer und 24 Prozent der Frauen arbeiteten in einem solchen Pensum.

Im Zehnjahresvergleich mit dem Jahr 2013 zeigen sich folgende Entwicklungen: Bei den Männern nahm der Anteil, der Vollzeit arbeitet, ab (−4 Ppt.). Der Anteil an Männern, der in höheren Teilzeitpensen (50–89%) arbeitet, nahm zu (+4 Ppt.), währenddem der Anteil von Männern in tiefen Teilzeitpensen (<50 Prozent) stabil blieb. Bei den Frauen nahm demgegenüber der Anteil tendenziell leicht zu, der Vollzeit arbeitet (+1 Ppt.), wobei die Entwicklung über die letzten zehn Jahre relativ stark schwankt. Der Anteil von Frauen in höheren Teilzeitpensen nahm hingegen relativ deutlich zu (+7 Ppt.) und der Anteil an Frauen in tiefen Teilzeitpensen ging zurück (−8 Ppt.).

Sowohl bei den Frauen als auch bei den Männern nahmen folglich höhere Teilzeitpensen in den letzten Jahren zu. Bei Frauen fand diese Entwicklung primär auf Kosten von tiefen Teilzeitpensen statt, während sie bei den Männern auf Kosten von Vollzeitpensen erfolgte.

Die durchschnittliche Dauer der Betriebszugehörigkeit ging im letzten Jahrzehnt zurück. Im Jahr 2023 betrug sie 8,1 Jahre, währenddem sie im Jahr 2013 noch 8,9 Jahre betragen hatte. Kaum überraschend zeigen sich bei der durchschnittlichen Dauer der Betriebszugehörigkeit relativ grosse Unterschiede zwischen den Altersgruppen: Arbeitnehmer/innen im Alter von 50 und mehr Jahren waren mit durchschnittlichen 13,3 Jahren deutlich länger in demselben Betrieb tätig als 15- bis 34-jährige mit 3,3 Jahren. Seit 2013 war die durchschnittliche Dauer der Betriebszugehörigkeit sowohl bei den älteren Arbeitnehmer/innen (50+: −2,1 Jahre) wie auch bei den jüngeren Arbeitnehmer/innen (15–34-Jährige: −0,5 Jahre) rückläufig.

Flexible und feste Arbeitszeitmodelle halten sich fast die Waage

52 Prozent der Luzerner Arbeitnehmer/innen hatten im Jahr 2023 einen festen Arbeitsbeginn und ein festes Arbeitsende. Im Jahr 2013 waren es noch 58 Prozent gewesen. Bei den Frauen reduzierte sich der Anteil an Arbeitnehmer/innen mit festen Arbeitszeiten von 63 Prozent im Jahr 2013 auf 57 Prozent im Jahr 2023, bei den Männern von 53 auf 48 Prozent. Der Anteil der Luzerner Arbeitnehmer/innen mit Wochen-/Monatsarbeitszeit oder Jahresarbeitszeit/ohne formale Vorgaben betrug im Jahr 2023 48 Prozent (2013: 42%).

Überdurchschnittlich oft vorgegeben sind die Arbeitszeiten in den Branchen Gesundheits- und Sozialwesen sowie dem Handel (inkl. Motorfahrzeuge). Im Jahr 2023 waren die Arbeitszeiten für 75 Prozent der Arbeitnehmer/innen im Gesundheits- und Sozialwesen sowie für 66 Prozent im Handel vorgegeben.

Je höher die höchste abgeschlossene Ausbildung war, desto kleiner ist der Anteil an Personen, welche einer Tätigkeit mit fixem Arbeitsbeginn und -ende nachgehen. Bei Personen mit einem Bildungsabschluss auf Sekundarstufe I bzw. ohne nachobligatorische Ausbildung gingen fast 9 von 10 Personen ihrer Arbeit gemäss festen Arbeitszeiten nach. Bei Arbeitnehmer/innen mit einem Abschluss auf Tertiärstufe waren es noch etwas mehr als 3 von 10 Arbeitnehmer/innen. Diese Kluft zeigte sich bereits im Jahr 2013 und akzentuierte sich seither noch.

Die durchschnittliche Anzahl an Ferienwochen lag im Jahr 2023 bei 5,1 Wochen. Sie ist damit im Zehnjahresvergleich leicht angestiegen (2013: 4,9 Wochen).

Zunahme der Wochenendarbeit

Von den Luzerner Arbeitnehmer/innen arbeitete 2023 jede/r Vierte (25%) regelmässig am Samstag. Regelmässige Sonntagsarbeit war mit 16 Prozent etwas weniger stark verbreitet. Im Jahr 2013 hatten noch 18 Prozent regelmässig am Samstag bzw. 9 Prozent am Sonntag gearbeitet. Die regelmässige Wochenendarbeit hat folglich im Zehnjahresvergleich relativ deutlich zugenommen.

Die Zunahme erfolgte allerdings nicht konstant, wie der Zehnjahresvergleich allein suggerieren könnte. Im Gegenteil: Zunächst war eine Abnahme zu beobachten. Denn sowohl die Samstags- (2010: 22%) wie auch die Sonntagsarbeit (2010: 11%) nahmen seit Beginn der Zeitreihe im Jahr 2010 relativ konstant ab. Bei der Samstagsarbeit wurde der Tiefpunkt im Jahr 2019 mit 16 Prozent von betroffenen Arbeitnehmer/innen erreicht, bei der Sonntagsarbeit im Jahr 2020 mit 7 Prozenten. Seit 2020 nahmen die Anteile an Personen, welche regelmässig am Samstag oder Sonntag arbeiten, relativ stark zu: Die Samstagsarbeit erhöhte sich um 9 Prozentpunkte. Die Sonntagsarbeit nahm im selben Zeitraum um 8 Prozentpunkte zu. Da im Jahr 2021 die SAKE-Befragungsmethode geändert wurde, kann allerdings nicht ausgeschlossen werden, dass ein Erhebungseffekt die Resultate mitbeeinflusste.

Frauen arbeiten deutlich häufiger regelmässig am Samstag oder Sonntag als Männer: Fast ein Drittel der Frauen arbeitete 2023 regelmässig am Samstag (32%), während dies bei knapp einem Fünftel der Männer (18%) der Fall war. Noch grösser ist der Unterschied bei der regelmässigen Sonntagsarbeit: Diese betraf über einen Fünftel der Frauen (21%) und nur einen Zehntel der Männer (10%).

Ebenfalls überdurchschnittlich oft arbeiteten Ausländer/innen am Wochenende. 32 Prozent der Arbeitnehmer/innen im Kanton Luzern ohne Schweizer Pass waren regelmässig am Samstag tätig (Schweizer/innen: 23%), 20 Prozent regelmässig am Sonntag (Schweizer/innen: 15%).

Keine klare Tendenz hin zu Privatwohnung als häufigstem Arbeitsort

Unabhängig davon, welcher Zeitraum betrachtet wird, ist der feste Arbeitsort ausserhalb der Privatwohnung der mit Abstand am meisten genannte häufigste Arbeitsort. Dies traf im Jahr 2023 auf 86 Prozent der Frauen und 72 Prozent der Männer zu. Am häufigsten unterwegs oder an wechselnden Arbeitsorten arbeiteten 8 Prozent der Frauen und 22 Prozent der Männer. In der Privatwohnung waren 7 Prozent der Frauen und 6 Prozent der Männer am häufigsten tätig.

Auf das Corona-Jahr 2021 hin (das Jahr, in welchem die (partielle) Home-Office-Pflicht verhängt worden war) hatte der Anteil an Arbeitnehmer/innen deutlich zugenommen, welche am häufigsten in der Privatwohnung arbeiteten. Hatte im Jahr 2020 der entsprechende Anteil bei den Frauen noch 4 Prozent betragen, erhöhte er sich im Lauf eines Jahrs auf 13 Prozent. Bei den Männern hatte der Anteil im Jahr 2020 bei 2 Prozent gelegen und nahm danach innerhalb eines Jahres auf 14 Prozent zu. Bereits 2022 waren diese Anteile jedoch wieder deutlich kleiner geworden.

Der Anteil der Personen, die am häufigsten an einem festen Arbeitsort ausserhalb der Privatwohnung arbeiten, entwickelte sich gegenläufig. Er nahm sowohl bei den Männern als auch bei den Frauen auf das Jahr 2021 hin ab (Frauen: −9 Ppt. auf 81%; Männer −12 Ppt. auf 65%) und danach wieder stetig zu. Die Werte liegen allerdings auch im Jahr 2023 noch unterhalb der Werte von vor der Corona-Zeit.

Bei der Interpretation der Ergebnisse gilt es jedoch zu beachten, dass die Fragestellung auf das Jahr 2021 hin angepasst wurde. Es kann deswegen nicht abschliessend geklärt werden, in welchem Ausmass die beschriebenen Entwicklungen auf methodische Änderungen zurückzuführen sind.

Methodische Anpassungen 2021

2021 wurde die SAKE von einer reinen Telefonbefragung auf eine Multi-Mode-Befragung (Internet- und Telefonbefragung) umgestellt, wobei der Schwerpunkt auf der Internetbefragung liegt. Darüber hinaus wurde die Frage zum Arbeitsort leicht angepasst. Bis 2020 bezog sie sich auf «mehr als die Hälfte der Arbeitszeit». Seit 2021 lautet sie wie folgt: «Wo arbeiten Sie am häufigsten in Ihrer beruflichen Haupttätigkeit?», wobei sich die Antwort auf die letzten vier Wochen vor der Befragung bezieht. Diese Änderung führt zu einem Bruch in der Zeitreihe zwischen 2020 und 2021.

Zunahme von Arbeitnehmer/innen, welche zumindest hin und wieder zu Hause arbeiten

Die Arbeitnehmenden, die am häufigsten unterwegs/an wechselnden Arbeitsorten respektive an einem festen Arbeitsort ausserhalb der Privatwohnung arbeiten, wurden gefragt, ob sie in den letzten vier Wochen mindestens einmal zu Hause gearbeitet hatten. Diese Frage wurde im Jahr 2023 von 29 Prozent der Frauen und 33 Prozent der Männer mit «Ja» beantwortet.

Im Vergleich mit dem Vor-Corona-Jahr 2019 zeigt sich im Jahr 2023 eine Zunahme der Arbeitnehmer/innen, die in den letzten vier Wochen vor der Befragung zwar nicht überwiegend, aber dennoch mindestens einmal zuhause gearbeitet haben. Die Zunahme fällt sowohl bei den Männern wie auch bei den Frauen statistisch signifikant aus (Frauen: +4 Ppt.; Männer: +6 Ppt.). Generell schwanken die Anteile sowohl bei den Frauen wie auch bei den Männern jedoch ab dem Jahr 2020 bis im Jahr 2023 relativ deutlich. Trotzdem sind die Anteile ab 2020 sowohl bei den Männern wie auch bei den Frauen im Schnitt höher als in den vier Jahren vor 2020.

Im Jahr 2020 hat die gelegentliche Heimarbeit zugenommen. Ein Jahr später zeigt sich dann eine vermehrte Nutzung der Privatwohnung als häufigstem Arbeitsort (vergleiche oben). Eine mögliche Interpretation liegt darin, dass die Corona-Pandemie bereits im Jahr 2020 zur vermehrten Arbeit im Home-Office führte, jedoch erst im Jahr 2021 dazu, dass gewisse Arbeitnehmer/innen hauptsächlich ins Home-Office gewechselt haben. Dies könnte erklären, warum sowohl bei den Männern wie auch bei den Frauen die Anteile der gelegentlichen Heimarbeit auf das Jahr 2021 hin wieder abnehmen, da Arbeitnehmer/innen, welche überwiegend in der Privatwohnung arbeiten, die Frage nach der gelegentlichen Heimarbeit gar nicht gestellt bekommen haben.

Zunahme der regelmässigen Arbeit zu Hause bei den Männer

In einer weiteren Folgefrage wurden nun lediglich diejenigen Arbeitnehmer/innen, welche ihren Arbeitsort unterwegs/an wechselnden Orten oder fest ausserhalb der Privatwohnung haben und in den letzten vier Wochen vor der Befragung mindestens einmal zu Hause gearbeitet haben, nach der Regelmässigkeit der Arbeit zuhause gefragt. Im Gegensatz zu den vorhergehenden Fragen wird diese Frage erst seit dem Jahr 2017 im Rahmen der Schweizerischen Arbeitskräfteerhebung gestellt.

Im Jahr 2023 gaben 51 Prozent der Frauen dieser Gruppe an, dass sie regelmässig zu Hause arbeiteten, während dies auf 52 Prozent der Männer dieser Gruppe zutraf. Im Vergleich zu den Vor-Corona-Jahren erhöhte sich der Anteil bei den Männern seit 2021. Bei den Frauen ist dieser Effekt nicht ersichtlich. Das hat zur Folge, dass heute ein ähnlich grosser Anteil der Männer regelmässig zuhause arbeitet wie bei den Frauen.

Gewisse Tendenz zu mehr Home-Office sichtbar

Der feste Arbeitsort ausserhalb der Privatwohnung hat im Zug der Corona-Pandemie ein wenig an seiner Vormachtstellung eingebüsst und die Privatwohnung als häufigster Arbeitsort zwischenzeitlich einen gewissen Zulauf erfahren. Allerdings bleibt unklar, wie stark diese Resultate auch durch methodische Änderungen der Befragung mitbegründet sind.

Im Hinblick auf den häufigsten Arbeitsort lässt sich bereits seit 2021 eine gewisse Rückkehr zu den Verhältnissen vor der Corona-Pandemie beobachten. Der feste Arbeitsort ausserhalb der Privatwohnung als häufigstem Arbeitsort legte anteilsmässig wieder zu, während die Privatwohnung als hauptsächlichem Arbeitsort nach 2021 wieder etwas an Bedeutung verloren hat. Allerdings verblieb der Anteil der Arbeitnehmenden, die hauptsächlich in der Privatwohnung arbeiten, über dem Niveau der Jahre vor der Corona-Pandemie.

Sowohl bei den Frauen als auch bei den Männern nahm der Anteil jener zu, die zwar nicht hauptsächlich zuhause arbeiteten, aber in den vier Wochen vor der Befragung mindestens einmal dort gearbeitet hatten. Das Arbeiten in der eigenen Privatwohnung scheint folglich eher als Ergänzung denn als Ersatz für den festen Arbeitsort beim Arbeitgeber genutzt zu werden. Zudem näherte sich der Anteil bei den Männern, die regelmässig zuhause arbeiteten, dem entsprechenden Anteil bei den Frauen an. Im Jahr 2023 arbeitete gut die Hälfte der Luzerner Arbeitnehmer/innen, die nicht hauptsächlich in der Privatwohnung arbeiten, jedoch in den letzten vier Wochen vor der Befragung mindestens einmal zuhause gearbeitet haben, regelmässig zuhause.

LUSTAT Statistik Luzern / 13. Dezember 2024 / Autor: Raphael Vogel

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