Gemäss den neusten Daten der Strukturerhebung aus dem Jahr 2022 pendeln rund 183'300 im Kanton Luzern wohnhafte Erwerbstätige zu ihrem Arbeitsort. Das sind rund 4'200 Personen mehr als im Jahr 2021. Rund 80 Prozent der Erwerbstätigen im Kanton Luzern sind Arbeitspendler/innen.
27 Prozent der Arbeitspendler/innen sind Binnenpendler/innen innerhalb ihrer Wohngemeinde, wohnen und arbeiten also in der gleichen Gemeinde. 53 Prozent pendeln in eine andere Luzerner Gemeinde und 20 Prozent pendeln über die Grenzen des Kantons Luzern hinaus. In absoluten Zahlen pendeln rund 37'100 Personen für die Arbeit in einen anderen Kanton.
Umgekehrt pendeln rund 35'900 Erwerbstätige aus einem anderen Kanton in den Kanton Luzern zur Arbeit. Da mehr Luzerner/innen den Kanton zu Arbeitszwecken verlassen, als dass Personen in den Kanton Luzern zur Arbeit kommen, ist der Arbeitspendlersaldo negativ (−1'200 Arbeitspendler/innen). Im Jahr 2012 lag der Arbeitspendlersaldo noch bei −5'200 Arbeitspendler/innen. Seit dem Jahr 2019 wird der Arbeitspendlersaldo zunehmend kleiner. Das heisst, mittlerweile verlassen ungefähr gleich viele Personen den Kanton Luzern zu Arbeitszwecken wie Personen in den Kanton Luzern zur Arbeit kommen.
Der vorliegende Artikel analysiert − wo nicht anders ausgewiesen − die Ströme der Arbeitspendler/innen im Jahr 2022 mit bekanntem Pendelweg innerhalb der Schweiz. Ein Webartikel zur Pendlermobilität (Arbeits- und Ausbildungspendler/innen zusammengenommen) im Jahr 2021 findet sich unter folgendem Link.
Am häufigsten pendeln Luzerner/innen, die ausserhalb des Kantons arbeiten, in den Kanton Zug: Das ist bei 29 Prozent oder rund 10'900 Wegpendler/innen der Fall. An zweiter und dritter Stelle folgen die Kantone Aargau (6'800 Wegpendler/innen) und Zürich (5'700 Wegpendler/innen).
In umgekehrter Richtung kommen die meisten Erwerbstätigen, welche in anderen Kantonen wohnhaft und im Kanton Luzern arbeitstätig sind, aus dem Kanton Aargau. Die 10'600 Zupendler/innen aus diesem Kanton machen rund 30 Prozent am Total der Zupendler/innen in den Kanton Luzern aus. An zweiter und dritter Stelle folgen die Kantone Nidwalden (4'700 Zupendler/innen) und Schwyz (3'900 Zupendler/innen).
Die Pendlermuster nach Wohn- und Zielort variieren je nach Analyseregion. Die Stadt Luzern weist absolut betrachtet von allen Luzerner Analyseregionen im Jahr 2022 die stärkste Sogwirkung auf: Während rund 36'800 Arbeitspendler/innen in der Stadt Luzern wohnhaft sind, arbeiten insgesamt rund 54'400 Arbeitspendler/innen in der Stadt. In der Summe folgt daraus ein positiver Arbeitspendlersaldo von rund 17'600 Arbeitspendler/innen. Dies bedeutet, dass in dieser Analyseregion rund 17'600 mehr Arbeitspendler tätig sind, als in ihr wohnen. An zweiter Stelle im Hinblick auf einen positiven absoluten Arbeitspendlersaldo steht die Region Sursee/Sempachersee, die einen Saldo von rund 3'400 Arbeitspendler/innen aufweist. Auch die Region Rooterberg/Rigi weist einen positiven Arbeitspendlersaldo von rund 800 Arbeitspendler/innen auf.
Die restlichen Analyseregionen weisen einen mehr oder weniger stark negativen Arbeitspendlersaldo auf: Absolut betrachtet am ausgeprägtesten ist er im Agglomerationskern, in welchem der Saldo −6'700 Arbeitspendler/innen beträgt. An zweiter Stelle steht der Agglomerationsgürtel mit einem Saldo von −5'500 Arbeitspendler/innen und an dritter Stelle das Michelsamt/Surenental mit einem Saldo von −3'600 Arbeitspendler/innen.
Bei einer Betrachtung des Anteils an Binnenarbeitspendler/innen auf der Ebene von Analyseregionen sticht das Entlebuch heraus: 62 Prozent der in dieser Region wohnhaften Arbeitspendler/innen arbeiten auch in dieser Region. Das Entlebuch weist damit unter den Analyseregionen den höchsten Anteil an Binnenarbeitspendler/innen auf. An zweiter Stelle steht die Region Willisau mit einem Anteil von 49 Prozent und an dritter Stelle die Stadt Luzern mit einem Anteil von 47 Prozent. Sowohl ausgeprägt ländliche wie auch ausgeprägt städtische Analyseregionen haben also einen hohen Anteil an Binnenpendler/innen. Die tiefsten Anteile an Binnenarbeitspendler/innen weisen die Regionen Agglomerationsgürtel (23%) und Rooterberg/Rigi (29%) auf. Daraus folgt, dass knapp acht von zehn der im Agglomerationsgürtel wohnhaften Arbeitspendler/innen ihren Arbeitsort in einer anderen Analyseregion haben.
Gehen die Luzernerinnen und Luzerner einer Arbeit in ihrer Wohngemeinde nach, sind fast 6 von 10 Personen (56%) mit dem Fahrrad, dem E-Bike oder zu Fuss als Teil des Langsamverkehrs unterwegs. 30 Prozent benutzen das Auto oder ein Motorrad (motorisierter Individualverkehr). 13 Prozent nutzen den öffentlichen Verkehr.
Unter den Zu- und Wegpendler/innen auf Gemeindeebene dominiert hingegen der motorisierte Individualverkehr: 67 Prozent der Zu- und 66 Prozent der Wegpendler/innen verwenden für ihren Arbeitsweg den motorisierten Individualverkehr. 26 Prozent der Zupendler/innen nutzen den öffentlichen Verkehr, während dies bei 27 Prozent der Wegpendler/innen der Fall ist. Als Teil des Langsamverkehrs sind sowohl bei den Zu- wie auch bei den Wegpendler/innen je 7 Prozent unterwegs.
Durch oft lediglich geringfügige Änderungen zwischen den einzelnen Jahren sowie die stichprobenbedingte Unsicherheit sind Vorjahresvergleiche vielfach kaum inhaltlich zu interpretieren. Im längerfristigen Vergleich zeigen sich jedoch Entwicklungstendenzen. So lag bei den Binnenpendler/innen (wiederum auf Gemeindeebene) der Anteil an Personen, die mit dem Langsamverkehr unterwegs waren, im Jahr 2012 noch bei 49 Prozent. Seither hat er um 6 Prozentpunkte zugenommen. Die Zunahme des Anteils des Langsamverkehrs lässt sich auch bei den Zu- und Wegpendler/innen beobachten, jedoch weniger stark ausgeprägt (je +2 Prozentpunkte). Gleichzeitig ist der Anteil an Zu- und Wegpendler/innen zurückgegangen, die mit dem öffentlichen Verkehr an ihren Arbeitsplatz pendeln. Dies trifft tendenziell ausgeprägter auf die Binnenpendler/innen (−3 Prozentpunkte) als auf die Zupendler/innen und Wegpendler/innen zu (je −2 Prozentpunkte).
Im Hinblick auf den motorisierten Individualverkehr lässt sich bei den Binnenpendler/innen ebenfalls eine Abnahme beobachten (−3 Prozentpunkte), während der Anteil bei den Zupendler/innen und Wegpendler/innen stabil geblieben ist.
Zwischen 2021 und 2022 ist nicht nur die Zahl der Arbeitspendler/innen, sondern auch die Zahl der Ausbildungspendler/innen gestiegen, nämlich von 32'700 auf 33'200 Personen (Veränderung statistisch nicht signifikant). Damit sind 16 Prozent der Gesamtzahl der Pendelnden (also Arbeits- und Ausbildungspendler/innen zusammengenommen) in Ausbildung. Anzumerken ist, dass Personen sowohl als Arbeits- wie auch Ausbildungspendler/innen in die Statistik einfliessen können, was beispielsweise bei Lernenden oder Werkstudierenden der Fall ist.
Insgesamt vergrösserte sich die Gesamtzahl der Pendler/innen von 201'800 Personen im Jahr 2021 auf 205'000 Pendler/innen im Jahr 2022 (ohne Doppelzählungen von Arbeits- und Ausbildungspendler/innen; inkl. Pendler/innen mit unbekanntem Pendelweg und Arbeitsort ausserhalb der Schweiz; Veränderung statistisch nicht signifikant). Damit gehören 2022 wie bereits im Jahr 2021 insgesamt 58 Prozent der ständigen Luzerner Wohnbevölkerung ab 15 Jahren zu den Pendler/innen, d.h., sie haben einen festen Arbeitsort oder eine Ausbildungsstätte ausserhalb ihres Wohngebäudes.
Autor: Raphael Vogel / 2. Juli 2024