Vermögen der Luzerner Haushalte
Vermögen in Wertschriften und Liegenschaften
Vermögenswerte sind ein Ausdruck von Wohlstand. Sie bieten finanzielle Sicherheit und können Einkommensausfälle ausgleichen. Vermögen wird aktiv durch Sparen sowie passiv durch Erbschaften und Schenkungen vermehrt.
Die im Folgenden ausgewiesenen Vermögenswerte gehen auf Steuerdaten zurück und beziehen sich primär auf Liegenschaften und Wertschriften. Das ist vor allem bei internationalen Vergleichen zur Vermögensverteilung zu berücksichtigen, denn die Vermögensdefinition der OECD umfasst beispielsweise mehr Positionen als in den Schweizer Steuererklärungen angegeben werden müssen (BFS 2014: 12). Ins Gewicht fallen dabei vor allem langlebige Gebrauchsgüter, Rentenansprüche sowie Pensionsvermögen, die aus den Schweizer Steuerdaten nicht entnommen werden können. Weiter müssen in der Schweiz Liegenschaften nicht gemäss ihrem Marktwert versteuert werden. Auch das trägt dazu bei, dass die den Steuerdaten entnommenen Vermögenswerte gegenüber den tatsächlich vorhandenen unterschätzt werden.
Vermögen nach Altersgruppen
Die Messgrösse, die im Folgenden verwendet wird, ist das Äquivalenzreinvermögen. Das Reinvermögen besteht aus dem Gesamtvermögen (bewegliches Privatvermögen, Liegenschaften usw.) abzüglich den Schulden. Mit einer Äquivalenzskala werden die Vermögen der verschiedenen Haushalte auf einen Einpersonenhaushalt standardisiert, sodass Haushalte verschiedener Grössen miteinander vergleichbar sind.
Rentnerhaushalte mit höchsten Vermögenswerten
Der Kanton Luzern zählte 2020 rund 180'500 Privathaushalte. Ihr Äquivalenzreinvermögen lag in diesem Jahr bei 69'900 Franken (Median). 2010 hatten sich diese Vermögenswerte noch auf 47'000 Franken belaufen. In den letzten Jahren hat das Reinvermögen der Luzerner Privathaushalte also teuerungsbereinigt um 46,0 Prozent zugenommen.
Das Äquivalenzreinvermögen unterscheidet sich je nach Altersgruppe. Die Rentnerhaushalte weisen die höchsten Vermögenswerte auf: Im Mittel (Median) besassen 2020 die Haushalte mit 65- bis 74-jähriger Referenzperson mit 240'700 Franken das höchste Äquivalenzreinvermögen aller Altersgruppen. Wichtige Gründe für den starken Vermögensanstieg im Pensionsalter sind (Teil-)Auszahlungen von Pensionskassengeldern und die Auflösung von 3.-Säule-Konten. Diese Kapitalien erscheinen fortan in der Steuerrechnung als Vermögenswerte und müssen als solche versteuert werden. Bei den Haushalten mit 75-jähriger oder älterer Referenzperson nimmt das mittlere Vermögen aufgrund des Vermögensverzehrs wieder leicht ab. Es bleibt jedoch deutlich höher als bei den Haushalten mit Referenzperson im Erwerbsalter.
18- bis 25-Jährige mit tiefsten Vermögenswerten
Die Haushalte mit Referenzperson im Alter von 18 bis 25 Jahren wiesen 2020 mit 15'800 Franken (Median) das tiefste Äquivalenzreinvermögen aller Altersgruppen auf. Mit steigendem Alter der Referenzperson nimmt das Vermögen im Erwerbsalter zu.
Bei den 26- bis 34-Jährigen betrug es bereits 26'000 Franken. Mit 26'900 Franken nur leicht höher lag das Vermögen der 35- bis 44-Jährigen. Der gegenüber der nächstjüngeren Altersgruppe schwache Anstieg ist wahrscheinlich unter anderem auf die Reduktion des Erwerbspensums aufgrund von Familiengründungen zurückzuführen, wodurch weniger Einkommen für die Vermögensbildung übrig bleibt. Auch können erhöhte Ausgaben, zum Beispiel für die externe Kinderbetreuung, die Sparmöglichkeiten begrenzen.
Bei den 45- bis 54-Jährigen – einem Alter, in dem die Betreuung der Kinder mehrheitlich nicht mehr so zeit- und kostenintensiv ist – lag das Vermögen 2020 dann bei deutlich höheren 49'700 Franken; bei den 55- bis 64-Jährigen gar bei 104'600 Franken. Damit wiesen die 55- bis 64-Jährigen die höchsten Vermögenswerte aller Altersgruppen im Erwerbsalter auf.
Vermögen der 18- bis 25-Jährigen hat sich seit 2010 verdoppelt
Im Zeitraum zwischen 2010 und 2020 hat sich das Vermögen bei den Haushalten mit Referenzperson im Alter von 18 bis 25 Jahren mehr als verdoppelt (+103,3%, teuerungsbereinigt). 2010 hatte es noch bei rund 7'800 Franken gelegen. Auch bei den übrigen Altersgruppen ist eine Zunahme zu verzeichnen.
Den prozentual zweitstärksten Zuwachs verzeichneten die 45- bis 54-Jährigen mit plus 55,1 Prozent (2010: 32'100 Fr.). Bei den 26- bis 34-Jährigen erfolgte ein ebenfalls vergleichsweise starker Vermögenszuwachs um plus 46,4 Prozent (2010: 17'800 Fr.).
Den prozentual schwächsten Zuwachs wiesen 2020 die 35- bis 44-Jährigen mit plus 9,1 Prozent auf (2010: 24'700 Fr.). Der Abstand zur nächstjüngeren Gruppe der 26- bis 34-Jährigen hat sich im Lauf der Jahre deutlich verkleinert. Zusätzlich hat sich der Rückstand auf die nächstältere Gruppe der 45- bis 54-Jährigen im Lauf der Jahre vergrössert. Die Vermögensbildung in der Altersphase zwischen 35 und 44 Jahren scheint sich im Lauf der Zeit erschwert zu haben.
Vermögen nach Haushaltstyp
Verheiratete ohne Kinder weisen klar das höchste Äquivalenzreinvermögen aller Haushaltstypen auf: 2020 betrug es im Kanton Luzern knapp 89'400 Franken (Median).
10 Prozent der Ehepaare ohne Kinder wiesen ein Äquivalenzreinvermögen von 708'300 Franken oder mehr auf. Dies ist unter anderem darauf zurückzuführen, dass die Referenzpersonen dieser Haushalte eher älter sind und die Vermögensbildung mit steigendem Alter zunimmt. Besonders deutlich zeigt sich das im Vergleich von Ehepaaren mit Konkubinaten ohne Kinder. Beide wiesen 2020 ein ähnlich hohes frei verfügbares Äquivalenzeinkommen auf, Konkubinate hatten jedoch im Median mit 60'600 Franken ein deutlich geringeres Vermögen. Das liegt darin begründet, dass Konkubinate ohne Kinder in der Regel deutlich jünger sind als Ehepaare ohne Kinder.
Alleinerziehende haben kaum Möglichkeiten zur Vermögensbildung
Alleinerziehende haben aufgrund ihres vergleichsweise geringen frei verfügbaren Äquivalenzeinkommens kaum Möglichkeiten zur Vermögensbildung. Das Äquivalenzreinvermögen von Einelternhaushalten lag 2020 im Kanton Luzern bei 12'600 Franken (Median). Ein Viertel der Einelternhaushalte wies gar ein Äquivalenzreinvermögen von rund 800 Franken oder weniger auf. Bei allfälligen temporären Einkommensausfällen können diese Haushalte auf keine finanzielle Reserven zurückgreifen und sind auf staatliche Unterstützung angewiesen.
Zum Vergleich: Einpersonenhaushalte wiesen 2020 ein Äquivalenzreinvermögen von rund 30'000 Franken auf. Etwas höher lag das mittlere Vermögen bei Paaren mit Kindern: Bei den Konkubinaten lag es bei 36'900 Franken und bei den Ehepaaren bei 40'400 Franken.
Bei allen Haushaltstypen hat das mittlere Vermögen seit 2010 um mehr als 40 Prozent zugenommen
Zwischen 2010 und 2020 nahm das Äquivalenzreinvermögen bei allen Haushaltstypen um mehr als 40 Prozent zu. Den prozentual geringsten Zuwachs verzeichneten die Konkubinate ohne Kinder mit 42,1 Prozent (2010: 42'700 Fr.). Auch bei den Einpersonenhaushalten (+46,4%) und den Verheirateten mit Kindern (+48,0%) lag der Zuwachs unter der 50-Prozent-Marke.
Gar über der 50-Prozent-Marke lagen die Verheirateten ohne Kinder mit plus 51,2 Prozent (2010: 59'100 Fr.). Die Konkubinate mit Kindern mit plus 63,5 Prozent (2010: 22'600 Fr.) sowie die Einelternhaushalte mit plus 72,1 Prozent (2010: 7'300 Fr.) verbuchten den prozentual stärksten Vermögenszuwachs. In absoluten Zahlen bleibt bei den Einelternhaushalten der Vermögenswert jedoch tief.
Vermögen nach Bildungsstand
Um das Vermögen nach höchster abgeschlossener Ausbildung zu analysieren, werden die Haushalte mit Referenzperson im Alter von 25 bis 64 Jahren betrachtet.
Die Verknüpfung der FinSit-Datenbasis mit den Angaben der Strukturerhebung des Bundes macht es erstmals möglich, die Vermögensseite auch anhand des Bildungsstands der Luzerner Haushalte zu ermitteln. Damit lässt sich der Zusammenhang zwischen der Bildung der Haushaltsmitglieder und dem Wohlstand respektive dem Vermögen der Haushalte untersuchen.
Vermögen variiert nach Bildungsstand
2020 hatten Haushalte, in denen keine Person über einen nachobligatorischen Abschluss verfügte, ein mittleres Äquivalenzreinvermögen von 7'800 Franken. Die Hälfte der Haushalte in dieser Bildungsgruppe hatte somit ein Vermögen von 7'800 Franken oder tiefer. Hatte mindestens eine Person einen Abschluss auf Sekundarstufe II lag das Vermögen im Mittel bei 28'900 Franken. Hatte mindestens eine Person einen Abschluss auf Tertiärstufe lag das Vermögen im Mittel gar bei 74'900 Franken. Der positive Zusammenhang zwischen Bildungsstand und Vermögensreserven zeigt sich hier deutlich.
Hohe Vermögenswerte vor allem in Haushalten mit Personen mit tertiärem Bildungsabschluss
Auch in der Vermögensverteilung gegen oben hin zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen den Bildungsgruppen. So weist das 90. Perzentil der Haushalte ohne nachobligatorische Ausbildung 2020 einen Wert von 134'600 Franken auf. Das heisst, dass ein Zehntel der Haushalte über ein Vermögen von über 134'600 Franken verfügt. Bei den Haushalten mit Personen mit einem Abschluss auf Sekundarstufe II lag der Wert 2020 bei 290'700 Franken. Bei den Haushalten mit mit Personen mit einem Tertiärabschluss lag der Wert bei über einer halben Million Franken (551'900 Fr.). Die Unterschiede im Bildungsniveau schlagen sich bei der Verteilung der Vermögen im oberen Bereich besonders deutlich nieder.
Höheres Erwerbseinkommen dank Bildung führt zu höherem Vermögen
Ein Grund dafür, dass ein höherer Bildungsstand zu höherem Vermögen führt, liegt im positiven Zusammenhang zwischen dem Vermögen und der Höhe des Einkommens (Föllmi & Martínez 2017: 25). Die Höhe des Einkommens wiederum hängt vom Bildungsstand ab (Analyse "Einkommen der Luzerner Haushalte"). Ein höherer Bildungsstand der Haushaltsmitglieder führt zu einem tendenziell höheren Haushaltseinkommen. Das begünstigt wiederum die Sparmöglichkeiten und erleichtert die Bildung von Vermögensreserven.
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