Soziale Ungleichheiten – eine Einführung

Ungleichheiten gibt es immer, schliesslich sind wir alle verschieden. Was aber sind «soziale Ungleichheiten»?

Soziale Ungleichheit als dauerhafte Begünstigung resp. Beeinträchtigung

Unter «sozialer Ungleichheit» wird die systematische, ungleiche Verteilung von gesellschaftlichen Gütern verstanden, die zu dauerhaften Begünstigungen respektive dauerhaften Beeinträchtigungen führt (vgl. Budowski 2020) und über die gesellschaftliche Stellung der Gesellschaftsmitglieder entscheidet. Solche gesellschaftlichen Güter sind zum Beispiel der Lohn, das Vermögen, die Bildung oder politische Rechte.

In Zusammenhang mit sozialen Ungleichheiten geht es nicht nur um das Gerechtigkeitsempfinden, sondern vor allem auch darum, wie die ungleiche Verteilung gesellschaftlicher Güter mit verschiedenen Handlungsspielräumen sowie mit unterschiedlichen Lebenschancen und -risiken einhergeht. Aus gesellschaftspolitischer Sicht spielen Ungleichheiten eine zentrale Rolle, da grosse soziale Ungleichheiten den gesellschaftlichen und sozialen Zusammenhalt und den Wohlstand beeinträchtigen können.

Bei der Erforschung sozialer Ungleichheiten wird der Frage nachgegangen, inwiefern Ungleichheiten mit Gruppenmerkmalen verbunden sind. Solche Merkmale sind zum Beispiel das Geschlecht, die familiäre Herkunft oder das Alter. Ungleichheiten können sich im Lebenslauf einer Person anhäufen, weil bestimmte Lebensumstände miteinander zusammenhängen. So hat die Forschung beispielsweise gezeigt, dass der erreichte Bildungsabschluss nicht nur die Stellung auf dem Arbeitsmarkt beeinflusst, sondern auch das gesundheitliche Wohlbefinden oder das gesellschaftliche Engagement. Zudem können soziale Ungleichheiten über Generationen bestehen bleiben, wenn sie sich innerhalb von Familien vererben. Dies hat unter anderem die Analyse von LUSTAT zum Bildungsstand der Eltern gezeigt (vgl. Webanalyse soziale Ungleichheiten im Bildungsverlauf).

Soziale Ungleichheiten im Lauf der Zeit

Im Lauf der Zeit ändert sich, welche sozialen Ungleichheiten als ungerecht empfunden werden und politisch zu mobilisieren vermögen. Im 19. Jahrhundert ging es zum Beispiel um die Frage, wie die prekäre Lebenssituation der Fabrikarbeiterinnen und -arbeiter verbessert werden kann. Heute stehen unter anderem die Ungleichheiten zwischen den Geschlechtern oder von Menschen mit Migrationshintergrund im Fokus.

Prinzip der «Chancengleichheit»

Ungleichheit ist für sich betrachtet nichts Nachteiliges. Individuen haben unterschiedliche Interessen und Fähigkeiten und sollen diese in unserer Gesellschaft auch nutzen können. In der Bundesverfassung ist jedoch das Prinzip der «Chancengleichheit» verankert. Dieses Prinzip besagt, dass möglichst alle Menschen die gleichen Chancen im Leben haben sollen – und nicht aufgrund systemischer Beeinträchtigungen gehindert werden, ihr Potenzial auszuschöpfen oder am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben. In der Umsetzung dieses Prinzips geht es oftmals weniger um eine Gleichbehandlung unterschiedlicher Menschen, sondern darum, Chancen gerecht zu verteilen. Soziale Ungleichheiten können zu ungleichen Chancen im Leben führen (z.B. im Bereich der Bildung). Die Chancengleichheit zielt darauf ab, die Auswirkungen sozialer Ungleichheit auf Lebensverläufe zu verringern.

Mit den Daten der öffentlichen Statistik können soziale Ungleichheiten eruiert werden. Sie liefern somit wichtige Grundlagen für die Politik, um die Chancengleichheit zu verbessern. Das kann zum Beispiel mit kompensatorischen Fördermassnahmen oder Transferleistungen angestrebt werden.

Was ist Diskriminierung?

Von Diskriminierung wird dann gesprochen, wenn Menschen aufgrund der tatsächlichen oder der zugeschriebenen Gruppenzugehörigkeit systematisch benachteiligt und stigmatisiert werden. Ein «Diskriminierungsverbot» ist in der schweizerischen Bundesverfassung festgehalten. Unter dem Begriff der «Intersektionalität» werden heute Ungleichheiten bei Individuen in den Blick gerückt, die sich gegenseitig verstärken (Geschlecht, ethnische Herkunft usw.) und zu sich überschneidenden Diskriminierungen führen.

Literatur

  • Budowski Monika (2020): Soziale Ungleichheit und Diversität. in: Bulletin der Schweizerischen Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften
  • Ernst, Andreas (2013): Soziale Ungleichheit. In: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS). Online, aufgerufen September 2025.
  • Levy, René (2020): Soziale Ungleichheiten. In: Bonvin Jean-Micher et al.(Hrsg.): Wörterbuch der Schweizer Sozialpolitik. Zürich und Genf, S. 452-454.
  • Weischer, Christoph (2023): Soziale Ungleichheit. In: Socialnet Lexikon. Online, aufgerufen September 2025.

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