Methodische Grundlagen

In der Verordnung über die kantonalen Bevölkerungsbefragungen vom 5. März 2013 hat der Regierungsrat LUSTAT Statistik Luzern mit den kantonalen Bevölkerungsbefragungen, ihrer Auswertung und der Veröffentlichung ihrer Resultate beauftragt.

Die letzte umfassende kantonale Bevölkerungsbefragung fand im Jahr 2023 statt. Frühere umfassende Befragungen waren in den Jahren 2009, 2011, 2015 und 2019 durchgeführt worden. Themenspezifische Befragungen fanden 2013 (Energie, Sicherheit und Finanzen) und 2021 (Finanz- und Steuerpolitik) statt.

Die umfassende kantonale Bevölkerungsbefragung 2023 wurde zudem mit Fragen zur öffentlichen Sicherheit ergänzt, die in Zusammenarbeit mit der Luzerner Polizei festgelegt worden waren.

Bevölkerungsbefragungen dienen der Überprüfung politischer Ziele und der Formulierung von Massnahmen

Die kantonale Bevölkerungsbefragung soll über Einstellungen, Einschätzungen, Befindlichkeiten und Zufriedenheit der Luzerner Bevölkerung in den verschiedenen Lebensbereichen, die für die Politikgestaltung relevant sind, Auskunft geben. Sie dient den politischen Entscheidungsträgerinnen und -trägern als Instrument der Überprüfung politischer Ziele und der Formulierung von Massnahmen. Gemäss Verordnung findet seit 2011 alle vier Jahre eine umfassende Befragung statt. Themenspezifische Befragungen werden im Bedarfsfall durchgeführt.

Zusammenarbeit Kanton und Stadt Luzern

Die kantonale sowie die städtische Bevölkerungsbefragung erfolgten 2023 als Zusammenarbeitsprojekt zwischen dem Kanton und der Stadt Luzern. Neben der kantonalen Befragung fand 2023 gleichzeitig eine städtische Befragung mit separatem Fragebogen und separater Stichprobe statt. Bis 2019 waren die städtischen Fragen in den kantonalen Fragebogen integriert gewesen. Das hatte dazu geführt, dass Personen aus dem Raum Stadt Luzern einen umfangreicheren Fragebogen zu beantworten hatten. Um den Zeitaufwand der befragten Personen zu verringern, wurden die beiden Fragebogen nun getrennt und zwei separate Stichproben verwendet. Mit der gleichzeitigen Durchführung der kantonalen und der städtischen Befragung konnten in der Konzeption, der Auswertung und der Diffusion wertvolle Synergien genutzt werden. Zum Beispiel wurden spezifische kantonale Fragen für den Raum der Stadt Luzern ausgewertet und in der städtischen Ergebnisanalyse mitberücksichtigt.

Konzept

Für die Befragung 2023 wurde der kantonale Fragebogen der Vorjahre inhaltlich und methodisch überarbeitet.

Inhaltliche Überarbeitung des Fragebogens

Die Relevanz der politischen Fragestellungen ändern sich im Lauf der Zeit und bedürfen deshalb von Zeit zu Zeit einer Überarbeitung, damit die Aussagekraft und Verwendbarkeit der Ergebnisse bestehen bleibt. Im Rahmen der Überarbeitung wurden die bisherigen Fragen des Fragebogens komplett überprüft. Dabei hat LUSTAT in Zusammenarbeit mit den verschiedenen Departementen der Kantonsverwaltung die Formulierungen überarbeitet, Fragen gestrichen oder neue Fragen aufgenommen.

Reduktion der Antwortskalen

Auch die Antwortskalen der skalierten Fragen wurden überarbeitet. In den bisherigen kantonalen Bevölkerungsbefragungen umfassten viele der skalierten Fragen bis zu 11 Antwortmöglichkeiten. Im Rahmen der Überarbeitung wurden diese auf maximal fünf Möglichkeiten beschränkt. Die Reduktion vereinfacht die Beantwortung des Fragebogens vor allem auf mobilen Geräten, weil nun alle Antwortmöglichkeiten auf Mobiltelefonen oder Tablets auf einen Blick ersichtlich sind.

Frage nach dem grösstem Problem

Bis zur Befragung 2019 wurde die Fragen nach dem grössten Problem im Kanton offen gestellt, das heisst, ohne dass eine Auswahl an Antwortmöglichkeiten vorgegeben worden wäre. Die Befragten konnten damals frei bis zu drei Antworten auf die Frage geben. In der Befragung 2023 wurde die Frage nach dem grössten Problem nicht mehr offen gestellt, sondern anhand einer Antwortliste erfragt. Die Befragten konnten nur noch eine Antwort abgeben, die sie aus der vorgelegten Liste auswählen konnten.

Obere Altersgrenze

Bis 2021 wurde für die Grundgesamtheit der Befragung jeweils die ständige Wohnbevölkerung zwischen 15 und 79 Jahren berücksichtigt. Ab 2023 gibt es keine obere Altersgrenze mehr.

Methodik

Die erste kantonale Bevölkerungsbefragung hatte im Jahr 2009 als reine Telefonbefragung stattgefunden. Um der sinkenden Antwortbereitschaft und der schwierigeren Erreichbarkeit einzelner Bevölkerungsgruppen entgegenzuwirken, wurde bei den kantonalen Befragungen der Jahre 2011, 2013 und 2015 die Möglichkeit geboten, die Fragen entweder per Telefon oder online zu beantworten. Aufgrund des Rückgangs der Telefonnummern-Einträge im öffentlichen Telefonbuch und der entsprechend schwierigeren telefonischen Erreichbarkeit werden seit 2019 keine Telefoninterviews mehr durchgeführt. Die Befragungen finden seither mithilfe eines Online- oder Papierfragebogens statt. Seit 2019 führt LUSTAT die Bevölkerungsbefragung ohne die Unterstützung eines externen Partners durch.

Vorbereitung und Durchführung

Stichprobe

Die Grundgesamtheit der repräsentativen Zufallsstichprobe 2023 bildete die ständige Wohnbevölkerung des Kantons Luzern im Alter ab 15 Jahren, die in Privathaushalten lebte. Es wurde keine obere Altersgrenze mehr angewandt. Zur ständigen Wohnbevölkerung gehören alle Personen mit Hauptwohnsitz in einer Gemeinde des Kantons Luzern. Ausländische Personen mit Kurzaufenthaltsbewilligungen für weniger als 12 Monate sowie Personen in einem Asylverfahren, die sich noch nicht 12 Monate in der Schweiz befinden, zählen nicht zur ständigen Wohnbevölkerung.

Die Basis für die proportional stratifizierte Ziehung der Stichprobe durch LUSTAT bildeten die kommunalen Einwohnerregister des Kantons Luzern. Die Grundgesamtheit wurde hierfür anhand der Merkmale Alter, Geschlecht, Wohnort (kantonale Befragung: Gemeindegruppen, städtische Befragung: Stadtkreise) und Staatsangehörigkeit in 144 Schichten (kantonale Befragung) respektive in 96 Schichten (städtische Befragung) unterteilt. Die Stichprobenziehung auf Basis der Register erfüllt die Grundvoraussetzung der Stichprobentheorie, dass es für jede Person exakt gleich wahrscheinlich sein muss, für die Stichprobe ausgewählt zu werden. Aus der Grundgesamtheit wurde eine repräsentative Stichprobe von 19'996 Personen gezogen. Die Stichprobe wurde in 10 Substichproben unterteilt. Davon wurden 6 Substichproben vollständig sowie von den restlichen Substichproben ausgewählte Bevölkerungsgruppen mit einer unterdurchschnittlichen Antwortquote zur Befragung eingeladen. Insgesamt wurden 14'676 Personen kontaktiert.

Ablauf der Befragung

Alle für die kantonale Befragung ausgewählten Personen erhielten ein vom Regierungspräsidenten sowie vom Staatsschreiber des Kantons Luzern signiertes Einladungsschreiben mit den persönlichen Zugangsdaten für den Online-Fragebogen. Die für die städtische Bevölkerungsbefragung ausgewählten Personen wurden mit einem Einladungsbrief des Stadtpräsidenten und der Stadtschreiberin angeschrieben.

Der Versand der Befragungseinladungen erfolgte gestaffelt über einen Zeitraum von zwei Monaten. Die Kontaktierung der Personen folgte in Abhängigkeit der schichtenspezifischen Antwortquote: Für Bevölkerungsgruppen, die bis zu diesem Zeitpunkt weniger häufig an der Befragung 2023 teilgenommen hatten und damit eine tiefere Antwortquote auswiesen, wurden zusätzliche Personen aus weiteren Substichproben zur Befragung eingeladen. Weiter wurde den nicht antwortenden Personen ungefähr sechs Wochen nach der ersten Kontaktierung ein Erinnerungsschreiben im Namen von LUSTAT versandt, um nochmals auf die Befragung aufmerksam zu machen.

Die Befragung fand in den Monaten August bis November 2023 statt. Die Teilnahme war freiwillig. Die beiden Fragebogen waren in deutscher Sprache verfasst; es wurden keine Fragebogen in weiteren Sprachen angeboten. Personen ohne Internetzugang konnten bei LUSTAT einen Papierfragebogen bestellen.

Antwortquote

Im Rahmen der kantonalen Befragung 2023 sind insgesamt 4'596 Antworten eingegangen, die für die Analyse berücksichtigt werden konnten. Das entspricht einer Ausschöpfungsquote von 32 Prozent. Anders als bei früheren Durchführungen war die Ausschöpfungsquote im Vergleich zur letzten Befragung nicht zurückgegangen. Der für die Befragung 2023 revidierte Fragebogen mit einfacheren und kürzeren Fragen sowie die reduzierten Antwortskalen dürften zum leichten Wiederanstieg der Antwortquote beigetragen haben.

In den Bevölkerungsbefragungen bis und mit 2015 wurde ein Teil der Erhebung in Form von Telefoninterviews durchgeführt und nichtteilnehmende Personen wurden mittels Telefonanrufen zur Teilnahme motiviert. Da jedoch Telefonnummern immer seltener in öffentlichen Telefonverzeichnissen verfügbar sind, wurden die Befragungen ab 2019 mittels Online- und Papierfragebogen durchgeführt.

Befragung im Raum Stadt Luzern

Im Raum der Stadt Luzern wurden für die kantonale Befragung mehr Personen befragt, als deren Anteil an der Grundgesamtheit ausmachen würde. Dies, damit für die Stadt Luzern mindestens 1'000 Antworten vorliegen und Auswertungen von kantonalen Fragen auch auf Ebene der Stadtkreise gemacht werden können. Für die Analyse der kantonalen Ergebnisse wurden die Antworten der Personen aus dem Raum Stadt Luzern jedoch gemäss ihrem tatsächlichen Anteil an der Luzerner Bevölkerung berücksichtigt und die Antworten mit dem entsprechenden Gewicht versehen (vgl. „Gewichtung und Hochrechnung der Ergebnisse“).

Im Rahmen der städtischen Befragung gingen 1'173 Antworten ein, die in der Analyse berücksichtigt werden konnten. Damit betrug die Antwortquote 37 Prozent und war höher als bei der kantonalen Befragung (32%). Der städtische Fragebogen war einiges kürzer als der kantonale Fragebogen.

Analyse

Auswertung nach Bevölkerungsgruppen

Die Auswertung der Daten der Bevölkerungsbefragung 2023 erfolgte zum einen im Total und zum anderen nach Bevölkerungsgruppen. Dabei wurde untersucht, inwiefern sich die verschiedenen Bevölkerungsgruppen in ihren Antworten unterscheiden. Als Grundlage dienten die für die Schichtenbildung festgelegten Bevölkerungsgruppen nach folgenden soziodemographischen Merkmalen: Alter, Geschlecht, Wohnort und Nationalität Erwerbsstatus und Bildungsniveau.

Je nach Thema der Frage wurden weitere spezifische Bevölkerungsgruppen in der Analyse berücksichtigt. So wurden zum Beispiel die Fragen zum Thema Arbeit auch nach Arbeitsort (in Wohngemeinde, innerhalb oder ausserhalb des Kantons Luzern) oder Fragen zum Thema Familie nach Haushaltstyp (Familien mit Klein- oder Schulkindern, junge Erwachsene bis 35 Jahre ohne Kinder) detaillierter ausgewertet.

Bestimmte soziodemographische Merkmale können stärker miteinander korrelieren als andere. Zum Beispiel sind unter den Personen mit tiefem Bildungsniveau häufig Jugendliche oder junge Erwachsene zu finden, deren nachobligatorische Ausbildung noch nicht abgeschlossen ist. Aber auch ältere Personen (ab 64 Jahren) weisen oftmals ein tiefes Bildungsniveau auf, dies vor allem unter den Frauen. Unterschiede zwischen den einzelnen Bevölkerungsgruppen werden in der Analyse nur dann hervorgehoben, wenn sie eine statistische Signifikanz aufwiesen (vgl. Abschnitt unten: „Statistische Signifikanz und Vertrauensintervall“).

Abbildung und Zusammenfassung der Antworten

Für die Luzerner Bevölkerungsbefragung wurde nicht die gesamte Bevölkerung des Kantons Luzern befragt, sondern eine Stichprobe. Um mittels der Ergebnisse dieser Stichprobe auf die gesamte Luzerner Bevölkerung schliessen zu können, werden die Befragungsergebnisse hochgerechnet. Bei einer Hochrechnung handelt es sich jeweils um eine Schätzung, die Ungenauigkeiten unterliegt. Um statistisch zuverlässige Aussagen zu erhalten, publiziert und analysiert LUSTAT für Stichprobenerhebungen standardmässig jeweils Werte ab 50 Antworten pro Antwortmöglichkeit.

Für die Stadt Luzern wurde diese Vorgabe der Mindestzahl pro Antwortmerkmal im Auftrag der Stadt auf 30 Antworten reduziert. Dies ermöglicht die Abbildung kleinerer Gebietseinheiten, erhöht aber die Ungenauigkeit der Schätzwerte. Die Stadt Luzern hat ein Interesse daran, Kennzahlen auch für kleine Einheiten wie Stadtkreise ausweisen zu können und zumindest trendartig deren Bewertungsschemen zu kennen.

Sind die Fallzahlen der einzelnen Antwortmöglichkeiten auf eine Frage für eine statistisch zuverlässige Aussage zu gering, werden die Antworten zu grösseren Kategorien zusammengefasst. Das kann bedeuteten, dass zwei oder mehrere Antwortmerkmale wie zum Beispiel "eher zufrieden" und "sehr zufrieden" zusammengefasst werden, sodass sie in der Analyse berücksichtigt werden können.

Gewichtung und Hochrechnung der Ergebnisse

Um von den einzelnen Antworten aus der Stichprobe auf die Gesamtbevölkerung schliessen zu können, wurden die Ergebnisse hochgerechnet. Dazu wurde jede antwortende Person für die Merkmale Alter, Geschlecht und Region einer bestimmten Schicht in der Bevölkerung zugeteilt. Jeder Schicht wurde dann gemäss ihrem tatsächlichen Anteil an der Grundgesamtheit ein Gewicht zugewiesen. In der Analyse wurde jeder beantwortete Fragebogen gemäss dem für seine Schicht berechneten Gewicht mitberücksichtigt.

Statistische Signifikanz und Vertrauensintervall

Um für die Gesamtbevölkerung aussagekräftige Resultate zu erhalten, müssen die per Stichprobe erhobenen Befragungsergebnisse hochgerechnet werden. Die hochgerechneten Werte sind Schätzwerte und daher mit einer Unsicherheit behaftet. Die ausgewiesenen 95-Prozent-Vertrauensintervalle verdeutlichen die stichprobenbedingte Unsicherheit. Sie entsprechen dem Bereich mit den plausiblen Werten in der Grundgesamtheit. Die Vertrauensintervalle werden in den publizierten Internettabellen ausgewiesen. Je unsicherer die Resultate sind, desto weiter auseinander liegen die obere und die untere Grenze des Vertrauensintervalls. Um zu bestimmen, ob sich die Ergebnisse zwischen den Bevölkerungsgruppen (z.B. zwischen Männern und Frauen) oder den Befragungsjahren signifikant unterscheiden, werden die Vertrauensintervalle der betrachteten Werte miteinander verglichen: Überschneiden sich die Vertrauensintervalle nicht, wird von einem statistisch signifikanten Unterschied zwischen den betrachteten Werten ausgegangen. Überlappen sich die Vertrauensintervalle um maximal eine Hälfte des Vertrauensintervalls, wird mittels statistischem Signifikanztest ermittelt, ob die Differenz statistisch signifikant ist. Überlappen sich die Vertrauensintervalle um mehr als eine Hälfte des Vertrauensintervalls, ist die Differenz statistisch nicht signifikant respektive die beobachtete Differenz liegt innerhalb des statistischen Unschärfebereichs. Damit kann nicht ausgeschlossen werden, dass die beobachtete Differenz rein zufällig bedingt ist.

Umgang mit Antwortausfällen

Grundsätzlich wurden im Rahmen der Bevölkerungsbefragung alle Personen zu allen Themen befragt; gewisse Ausnahmen gab es beim Thema Arbeit. Die globale Befragungsart hat bei einigen spezifischen Fragen zu einer höheren Anzahl an Antwortausfällen geführt, weil nicht betroffene Bevölkerungsgruppen möglicherweise über keine eigene Meinung zu den entsprechenden Themen verfügten. Bei einzelnen Auswertungen wurden daher Antworten von Personengruppen, die von bestimmten Themen besonders betroffen waren – zum Beispiel Familien mit Kindern bei Fragen zur Familienfreundlichkeit – herausgefiltert und separat analysiert.

Die Grundgesamtheit der Analysen und die ausgewiesenen Prozentangaben in der vorliegenden Publikation berücksichtigen Antworten von  Personen nicht mit, die bestimmte Fragen mit „weiss nicht“ respektive "keine Angabe" beantwortet haben. Das führt dazu, dass die Zahl der berücksichtigten Antworten je nach Thema und Frage unterschiedlich ausfällt.

Vergleichbarkeit

Im Rahmen der Bevölkerungsbefragung wurde die früher definierte obere Altersgrenze bei den Teilnehmer/innen aufgehoben. Die Aufhebung der oberen Altersgrenze hat zu keinen Veränderungen der Ergebnisse geführt.

Zudem wurde der Fragebogen einer kompletten Überprüfung unterzogen und die Formulierungen der Fragen teilweise überarbeitet. Diese konzeptionellen methodischen und inhaltlichen Anpassungen müssen bei den Vergleichen mit den Ergebnissen früherer Befragungen mitberücksichtigt werden.

Reduktion der Antwortmöglichkeiten bei skalierten Fragen und Umskalierung der Antworten bis 2019

Für die Bevölkerungsbefragung 2023 wurden weiter bei skalierten Fragen die Antworten auf maximal fünf Möglichkeiten reduziert. Bis und mit der Bevölkerungsbefragung 2019 wurde für die Antworten eine 11er-Skalierung verwendet. Damit die Ergebnisse der entsprechenden Fragen mit denjenigen früherer Befragungen vergleichbar sind, wurden die betroffenen Fragen früherer Befragungen rückwirkend umcodiert und die Antwortmöglichkeiten zu fünf Gruppen zusammengefasst. Die Umrechnung der früheren Ergebnisse hat mathematisch dazu geführt, dass ab der Befragung 2023 die mittleren Werte für "weder noch" oder "teils, teils" weniger oft vorkommen, die Antworten an den beiden Skalenenden hingegen häufiger. Methodeneffekte können deshalb überall dort nicht ausgeschlossen werden, wo die mittleren Werte im Vergleich zur Befragung 2019 weniger geworden sind und gleichzeigt die Werte im roten und im grünen Bereich zugenommen haben.

Anpassung bei der Frage nach dem grössten Problem

Im Rahmen der Befragung 2023 wurde die Frage nach dem grössten Problem im Kanton Luzern geschlossen erfragt, das heisst, es wurden den Befragungsteilnehmer/innen verschiedene Antwortmöglichkeiten vorgelegt. Bis zur Befragung 2019 war diese Frage jeweils offen gestellt worden, das heisst ohne die Vorlage einer Antwortliste. Zudem waren mehrere Antworten möglich gewesen. Um die Ergebnisse der früheren Befragungen mit denjenigen von 2023 vergleichen zu können, wird bei den Vergleichen mit früheren Befragungen jeweils nur die erste der damals genannten Antworten verwendet.

Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass das Antwortverhalten durch das Vorlegen einer Liste mit möglichen Antworten etwas anders ausgefallen ist, als dies ohne die Vorlage der Fall gewesen wäre. Zum einen weil die Antwortenden eventuell durch das Lesen der möglichen Antworten auf ein anderes Problem gekommen sind, als wenn sie dieses frei hätten niederschreiben müssen. Zum anderen wurden in den früheren Jahren die konkreten und teils sehr detaillierten Aussagen der Befragungsteilnehmer/innen jeweils durch LUSTAT zu Antwortgruppen zusammengefasst. Dies geschah manuell und nicht immer frei von subjektiven Zuteilungsentscheiden. Diese Punkte könnten zu kleineren Verschiebungen bei den Ergebnissen geführt haben. Im Grossen und Ganzen bilden die Ergebnisse die Problemwahrnehmung im Kanton ab und können mit derjenigen früherer Befragungen verglichen werden.

Vergleich zwischen Befragungen mit unterschiedlichen Fragebogen

Neben methodischen und inhaltlichen Änderungen kann der inhaltliche Schwerpunkt oder der Aufbau des Fragebogens die Vergleichbarkeit von Fragen zwischen verschiedenen Befragungen einschränken. Setzen sich die Befragten mit einem Thema vertieft auseinander, können die Antworten anders ausfallen, als wenn dazu nur eine Frage gestellt wird. Zudem beeinflussen vorangehende Fragen das Antwortverhalten in darauffolgenden Fragen.

Im Fall der Luzerner Bevölkerungsbefragungen zeigt sich das beim Vergleich von Fragen, die sowohl im Rahmen von umfassenden Bevölkerungsbefragungen als auch im Rahmen von thematischen Befragungen gestellt worden sind. Wenn für eine Frage Ergebnisse aus umfassenden und aus thematischen Befragungen vorliegen, wird deshalb bei Vergleichen auf die Ergebnisse der umfassenden Befragung zurückgegriffen. Weil bei einzelnen Fragen nur Vergleichswerte aus einer umfassenden und einer thematischen Bevölkerungsbefragung vorhanden sind, werden sie mangels alternativer Möglichkeiten trotzdem miteinander verglichen.

Vergleiche mit ausserkantonalen Befragungen

Die Ergebnisse der Luzerner Bevölkerungsbefragung 2023 werden punktuell mit den Resultaten aus Befragungen von anderen Kantonen oder Städten (Kanton Basel-Stadt oder Stadt Zürich) verglichen. Obwohl solche Vergleiche aufgrund der nicht vollständigen Übereinstimmung bei den Formulierungen der Fragen oder den Antwortmöglichkeiten sowie aufgrund unterschiedlicher Befragungsmethoden mit Vorsicht zu interpretieren sind, helfen sie, die Resultate der Luzerner Bevölkerungsbefragung einzuordnen.

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