Krebs in den Kantonen der Zentralschweiz 2018–2022
Neuerkrankungen an Hautkrebs nehmen zu
Inzidenz im zeitlichen und räumlichen Vergleich
In den Zentralschweizer Kantonen Luzern, Uri, Ob- und Nidwalden sind im Zeitraum 2018–2022 jährlich 0,5 Prozent der Bevölkerung neu an Krebs erkrankt. 1'556 Männer und 1'228 Frauen erhielten im Jahresschnitt neu eine Krebsdiagnose. In der Vorperiode (2013–2017) waren es 1'366 Männer und 1'155 Frauen gewesen.
Das Zentralschweizer Krebsregister (ZKR) registriert seit 2010 die Krebsfälle des Kantons Luzern und seit 2011 jene der Kantone Uri, Ob- und Nidwalden.
LUSTAT Statistik Luzern ist vom ZKR unter der Leitung von Prof. Dr. med. Joachim Diebold beauftragt, die Daten der Kantone Luzern, Uri, Ob- und Nidwalden jährlich auszuwerten.
Die neusten Entwicklungen werden anhand der zwei 5-Jahres-Perioden 2013–2017 und 2018–2022 analysiert.
Da Krebs vor allem im höheren Alter auftritt und die Bevölkerung zunehmend älter wird, nimmt die Zahl der Neuerkrankungen und Sterbefälle zu. Um zu verhindern, dass dieser demografische Effekt fälschlich als steigendes Risiko interpretiert wird, werden nachfolgend altersstandardisierte Raten für die Neuerkrankungen (Inzidenz) und Sterbefälle (Mortalität) verwendet.
Unterschiedliche Entwicklung der Inzidenzrate je nach Geschlecht
Die Neuerkrankungsrate der Männer liegt im Allgemeinen höher als jene der Frauen. In der Periode 2018–2022 betrug die altersstandardisierte Inzidenzrate der Männer in den vier Kantonen Luzern, Uri, Ob- und Nidwalden 413 Erkrankungsfälle pro 100'000 Männer. Damit lag die Inzidenzrate bei den Männern leicht höher als in der Vorperiode (2013–2017: 407 Fälle). Bei den Frauen reduzierte sich die Rate – von 327 Erkrankungsfällen pro 100'000 Frauen (2013–2017) auf 316 Fälle (2018–2022).
Inzidenz in der Zentralschweiz tiefer als in der Gesamtschweiz
Im Zeitraum 2018–2022 waren Krebsneuerkrankungen in den Zentralschweizer Kantonen Luzern, Uri, Ob- und Nidwalden erneut seltener als in der Gesamtschweiz. Gemäss Nationaler Krebsregistrierungsstelle NKRS betrug die altersstandardisierte Inzidenzrate der Schweiz in diesem Zeitraum 441 Erkrankungsfälle pro 100'000 Männer und 339 Erkrankungsfälle pro 100'000 Frauen. Die Rate in den vier Zentralschweizer Kantonen insgesamt lag bei 413 respektive 316 Fällen.
Seit dem 1. Januar 2020 unterliegt die Krebsregistrierung in der Schweiz dem Krebsregistrierungsgesetz (KRG). Die Regelung baut auf den bestehenden Strukturen auf, schafft aber rechtlich und organisatorisch schweizweit einheitliche Bedingungen.
Die Krebsregistrierung dient als Datengrundlage für Früherkennungsmassnahmen, zur Evaluation der Versorgungs-, Diagnose- und Behandlungsqualität, der Krebsforschung sowie der Unterstützung der kantonalen Versorgungsplanung.
In die Auswertungen eingeschlossen sind alle Fälle von bösartigen Primärtumoren, mit Ausnahme von nichtmelanotischem Hautkrebs (Basaliome). Primärtumore werden nach den Regeln folgender Organisationen definiert: International Agency for Research on Cancer (IARC), International Association of Cancer Registries (IACR), European Network of Cancer Registries (ENCR).
Mortalität im zeitlichen und räumlichen Vergleich
In den Zentralschweizer Kantonen Luzern, Uri, Ob- und Nidwalden verstarben im Zeitraum 2018–2022 jährlich im Schnitt 0,2 Prozent der Bevölkerung an Krebs. Beinahe jeder vierte Todesfall war auf eine Krebserkrankung zurückzuführen. Bei den Männern waren 27 Prozent aller Todesfälle krebsbedingt, bei den Frauen 20 Prozent. Im Schnitt starben jährlich 574 Männer und 430 Frauen an Krebs. In der Vorperiode (2013–2017) waren es 560 Männer und 431 Frauen gewesen.
Mortalitätsrate ist sinkend
Verbesserte Diagnosemöglichkeiten und Vorsorgeangebote für die Bevölkerung haben dazu beigetragen, dass Krebserkrankungen häufiger und früher festgestellt werden und weniger Menschen an Krebs sterben. Das zeigt auch die altersstandardisierte Mortalitätsrate der vier Zentralschweizer Kantone Luzern, Uri, Ob- und Nidwalden: Bei den Männern reduzierte sich die Sterberate im Zeitraum 2018–2022 gegenüber der Vorperiode (2013–2017) von 155 auf 137 Sterbefälle pro 100'000 Männer. Bei den Frauen nahm die Rate von 100 auf 89 Sterbefälle pro 100'000 Frauen ab.
Zentralschweizer Mortalitätsrate liegt tiefer als in Gesamtschweiz
Die Zahl krebsbedingter Todesfälle liegt in den Zentralschweizer Kantonen Luzern, Uri, Ob- und Nidwalden geringfügig tiefer als in der Gesamtschweiz: Im Zeitraum 2018–2022 lag die altersstandardisierte Mortalitätsrate der Gesamtschweiz bei den Männern bei 140 Todesfällen pro 100'000 Männer und bei den Frauen bei 97 Todesfällen pro 100'000 Frauen. In den vier Zentralschweizer Kantonen lag die Rate bei den Männern bei 137 Todesfällen und bei den Frauen bei 89 Todesfällen.
Wie in der Zentralschweiz ist auch auf Ebene der Gesamtschweiz eine Abnahme der krebsbedingten Mortalitätsrate zu beobachten.
Inzidenz und Mortalität nach Krebsart
Bei den Männern der Zentralschweizer Kantone Luzern, Uri, Ob- und Nidwalden wurde im Zeitraum 2018–2022 am häufigsten Prostatakrebs diagnostiziert – im jährlichen Durchschnitt in 32 Prozent der Krebsneuerkrankungsfälle. Die Frauen erkrankten am häufigsten an Brustkrebs (jährl. Durchschnitt: 33%). Neben diesen geschlechtsspezifischen Krebsarten waren Neuerkrankungen infolge Lungen- und Dickdarmkrebs (je 9%) sowie schwarzem Hautkrebs bzw. Melanom (8%) am häufigsten. Bei Männern und Frauen entfielen insgesamt 60 Prozent aller Krebsneuerkrankungen auf diese fünf Lokalisationen.
Insgesamt war im Zeitraum 2018–2022 für die meisten Krebstodesfälle der Lungenkrebs (17%) verantwortlich. Die Männer verstarben am häufigsten an Lungen- (19%), Prostata- (16%) und Dickdarmkrebs (10%). Bei den Frauen waren die Krebstodesfälle am häufigsten auf Tumore der Brust (19%), der Lunge (15%) und des Dickdarms (9%) zurückzuführen. Der Anteil der Krebstodesfälle aufgrund von Hautkrebs lag bei beiden Geschlechtern bei 2 Prozent.
Starke Zunahme von Prostata- und Hautkrebs bei den Männern
Gegenüber der Vorperiode (2013–2017) ist 2018–2022 in den vier Zentralschweizer Kantonen die altersstandardisierte Inzidenzrate der geschlechtsspezifischen Krebsarten gestiegen – bei Prostatakrebs um 15 Prozent und bei Brustkrebs um 2 Prozent. Beim Hautkrebs zeigte sich bei der Inzidenzrate der Männer eine starke (+14%) und bei den Frauen eine leichte Zunahme (+1%). In der gleichen Zeitspanne nahm die Inzidenz von Lungenkrebs bei Männern um 7 Prozent ab und bei Frauen um 5 Prozent zu. Erkrankungen an Dickdarmkrebs nahmen sowohl bei den Männern (–1%) als auch bei den Frauen (–7%) ab.
Mit Ausnahme des Lungenkrebses (+2%) ist die altersstandardisierte Mortalitätsrate bei allen genannten Krebsarten sowohl bei Männern als auch bei Frauen zurückgegangen.
Bei einer Krebserkrankung kann von der Differenz zwischen Inzidenz- und Mortalitätsrate die Prognose für die Genesung abgeleitet werden: Liegen die Inzidenz- und die Mortalitätsrate einer Krebsart weit auseinander, ist die Überlebenschance gross. Umgekehrt deuten nahe beieinander liegende Werte auf eine schlechte Prognose hin. Gute Prognosen weisen in der Regel die an Brust-, Prostata- und Dickdarmkrebs Erkrankten auf. Eine schlechte Prognose haben Personen mit Lungenkrebs.
Inzidenz und Mortalität nach Alter
In den Zentralschweizer Kantonen Luzern, Uri, Ob- und Nidwalden waren in den Jahren 2018 bis 2022 im Schnitt 63 Prozent der neu an Krebs erkrankten Personen 65 Jahre alt oder älter. Die altersspezifischen Raten zeigen Unterschiede nach Geschlecht.
Frauen erkranken und sterben im Alter seltener an Krebs als Männer
Frauen erkranken insgesamt zwar seltener an Krebs als Männer, jedoch häufig in jüngeren Jahren. Unter anderem weil Brustkrebs in der Regel in jüngeren Jahren auftritt als Prostatakrebs, lag in der Periode 2018–2022 die altersspezifische Inzidenzrate der 30- bis 54-jährigen Frauen (263 Fälle pro 100'000 Frauen dieser Altersgruppe) über derjenigen der gleichaltrigen Männer (180 Fälle).
Männer im Alter ab 55 Jahren waren auch in der Periode 2018–2022 häufiger von Krebs betroffen als Frauen. In der Altersgruppe der 60- bis 84-Jährigen lag die Inzidenzrate 1,6-mal höher als jene der Frauen, und ab 85 Jahren war sie fast doppelt so hoch (1,8-mal höher). Bei den 85-jährigen und älteren Männern lag nicht nur die Neuerkrankungs-, sondern auch die Mortalitätsrate (2'607 Fälle) doppelt so hoch wie jene der Frauen (1'235 Fälle pro 100'000 Frauen dieser Altersgruppe).
Krebsbedingte Hospitalisierungen
Der Anteil der krebsbedingten Spitalaufenthalte lag in den vier Zentralschweizer Kantonen im Zeitraum 2018–2022 bei 7 Prozent. Im Schnitt waren jährlich 5'195 Erkrankte aus Luzern, Uri, Ob- und Nidwalden mit der Hauptdiagnose Krebs in stationärer Spitalbehandlung. In gut einem Drittel dieser Hospitalisierungen wurde das Spital aufgrund einer der vier Krebsarten Brust-, Dickdarm-, Lungen- oder Prostatakrebs aufgesucht. Insgesamt waren mehr Männer als Frauen krebsbedingt stationär hospitalisiert, ausser in der Altersgruppe der 40- bis 54-Jährigen. Diese Ausnahme gründet unter anderem in der Tatsache, dass Männer zwar häufiger, aber eher in höherem Alter an Krebs erkranken als Frauen.
LUSTAT Statistik Luzern / 10. November 2025 / Autorin: Agnes Zwimpfer
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