Krebs in den Kantonen der Zentralschweiz 2017–2021
Leichte Abnahme der krebsbedingten Inzidenzrate bei den Frauen
Inzidenz im zeitlichen und räumlichen Vergleich
In den Kantonen Luzern, Uri, Ob- und Nidwalden sind im Zeitraum 2017–2021 jährlich 0,5 Prozent der Bevölkerung neu an Krebs erkrankt. 1'504 Männer und 1'194 Frauen erhielten im Jahresschnitt neu eine Krebsdiagnose. In der Periode davor (2012–2016) waren es 1'315 Männer und 1'131 Frauen gewesen.
Das Zentralschweizer Krebsregister (ZKR) registriert seit 2010 die Krebsfälle des Kantons Luzern und seit 2011 jene der Kantone Uri, Ob- und Nidwalden.
LUSTAT Statistik Luzern ist vom ZKR unter der Leitung von Prof. Dr. med. Joachim Diebold beauftragt, die Daten der Kantone Luzern, Uri, Ob- und Nidwalden jährlich auszuwerten.
Die neusten Entwicklungen werden anhand der zwei 5-Jahres-Perioden, 2012–2016 und 2017–2021, analysiert.
Der Anteil der älteren Menschen in der Bevölkerung hat im Zeitraum von 2012–2021 zugenommen. Da das Krebserkrankungsrisiko mit zunehmendem Alter steigt, wird für den zeitlichen Vergleich der Neuerkrankungen in den vier Zentralschweizer Kantonen die altersstandardisierte Inzidenzrate (Neuerkrankungsrate) verwendet.
Entwicklung der Inzidenzrate unterschiedlich je nach Geschlecht
Die Inzidenzrate der Zentralschweizer Männer lag in den Jahren 2017–2021 bei 409 Erkrankungsfällen pro 100'000 Männern und damit leicht höher als die altersstandardisierte Inzidenzrate von 400 Fällen in der Periode zuvor (2012–2016). Bei den Frauen reduzierte sich die Rate von 326 Erkrankungsfällen pro 100'000 Frauen (2012–2016) auf 313 Erkrankungsfälle (2017–2021).
Inzidenz in Zentralschweiz leicht tiefer als in Gesamtschweiz
Krebsneuerkrankungen waren in den vier Zentralschweizer Kantonen auch im Zeitraum 2017–2021 seltener als in der Gesamtschweiz. Gemäss Nationaler Krebsregistrierungsstelle NKRS betrug die altersstandardisierte Inzidenzrate für die gesamte Schweiz 435 Erkrankungsfälle pro 100'000 Männer und 334 Erkrankungsfälle pro 100'000 Frauen (ZCH: 409 resp. 313 Fälle).
Seit dem 1. Januar 2020 unterliegt die Krebsregistrierung in der Schweiz dem Krebsregistrierungsgesetz (KRG). Die Regelung baut auf den bestehenden Strukturen auf, schafft aber rechtlich und organisatorisch schweizweit einheitliche Bedingungen.
Die Krebsregistrierung dient als Datengrundlage für Früherkennungsmassnahmen, zur Evaluation der Versorgungs-, Diagnose- und Behandlungsqualität, der Krebsforschung sowie der Unterstützung der kantonalen Versorgungsplanung.
Eingeschlossen sind alle Fälle von bösartigen Primärtumoren, mit Ausnahme von nichtmelanotischem Hautkrebs. Primärtumore werden nach den Regeln der International Agency for Research on Cancer (IARC)/International Association of Cancer Registries (IACR)/European Network of Cancer Registries (ENCR) definiert.
Mortalität im zeitlichen und räumlichen Vergleich
In den Zentralschweizer Kantonen Luzern, Uri, Ob- und Nidwalden insgesamt war im Zeitraum 2017–2021 beinahe jeder vierte Todesfall auf eine Krebserkrankung zurückzuführen. Bei den Männern waren 27 Prozent aller Todesfälle krebsbedingt, bei den Frauen 20 Prozent. Im Schnitt starben jährlich 563 Männer und 421 Frauen an Krebs, geringfügig weniger als in der Periode zuvor (2012–2016: 557 Männer, 432 Frauen).
Mortalitätsrate nimmt im Vergleich zu Vorperiode ab
Verbesserte Diagnosemöglichkeiten und Vorsorgeangebote haben dazu beigetragen, dass Krebserkrankungen häufiger und früher festgestellt werden und weniger Menschen an Krebs sterben. Dies zeigt sich bei Betrachtung der altersstandardisierten Mortalitätsrate (Sterberate) in den vier Zentralschweizer Kantonen: So reduzierte sich bei den Männern die Rate im Zeitraum 2017–2021 gegenüber der Vorperiode (2012–2016) von 158 auf 138 Sterbefälle pro 100'000 Männer. Bei den Frauen nahm die Rate von 102 auf 89 Sterbefälle pro 100'000 Frauen ab.
Mortalität in der Zentralschweiz leicht tiefer als in Gesamtschweiz
Krebsbedingte Todesfälle liegen in der Zentralschweiz geringfügig unter dem Gesamtschweizer Durchschnitt: Im Zeitraum 2017–2021 lag die altersstandardisierte Mortalitätsrate für die Gesamtschweiz bei den Männern bei 144 Todesfällen und bei den Frauen bei 98 Todesfällen (ZCH: 138 resp. 89 Fälle). Auch auf Ebene der Gesamtschweiz kann eine Abnahme der Mortalitätsraten beobachtet werden.
Inzidenz und Mortalität nach Krebsart
Bei den Männern der Kantone Luzern, Uri, Ob- und Nidwalden wurde im Zeitraum 2017–2021 am häufigsten Prostatakrebs diagnostiziert – im jährlichen Durchschnitt in 32 Prozent der Krebsneuerkrankungsfälle. Die Frauen erkrankten am häufigsten an Brustkrebs – im jährlichen Durchschnitt in 33 Prozent der Krebsneuerkrankungsfälle. Neben diesen geschlechtsspezifischen Krebsarten waren Neuerkrankungen infolge Lungen- und Dickdarmkrebs (je 9%) und Hautkrebs (8%) am häufigsten. Bei Männern und Frauen zusammengenommen entfielen 59 Prozent aller Krebsneuerkrankungen auf diese fünf Lokalisationen.
Insgesamt war im Zeitraum 2017–2021 für die meisten Krebstodesfälle der Lungenkrebs verantwortlich. Nach Geschlecht betrachtet verstarben Männer am häufigsten an Lungen- (19%), Prostata- (16%) und Dickdarmkrebs (10%). Bei den Frauen waren die Krebstodesfälle am häufigsten auf Tumore der Brust (19%), der Lunge (15%) und des Dickdarms (9%) zurückzuführen.
Nach Geschlecht unterschiedliche Entwicklung der Raten bei Lungenkrebs
Die altersstandardisierte Inzidenzrate bei Prostatakrebs ist in der Periode 2017–2021 gegenüber der Vorperiode (2012–2016) um 19 Prozent gestiegen; jene beim Brustkrebs um 4 Prozent. In der gleichen Zeitspanne nahm die Inzidenz von Lungenkrebs bei Männern um 9 Prozent ab und bei Frauen um 10 Prozent zu. Erkrankungen an Dickdarmkrebs nahmen sowohl bei Männern als auch bei Frauen ab. Die altersstandardisierte Mortalitätsrate hat bei all diesen vier Krebsarten sowohl bei Männern als auch bei Frauen abgenommen, mit Ausnahme einer Zunahme der Mortalitätsrate der Frauen bei Lungenkrebs um 5 Prozent.
Aus der Differenz zwischen Inzidenz- und Mortalitätsrate kann die Prognose abgeleitet werden: Liegen die Inzidenz- und die Mortalitätsrate einer Krebsart weit auseinander, ist die Überlebenschance gross; nahe beieinander liegende Werte deuten auf eine schlechte Prognose hin. Gute Prognosen weisen in der Regel die an Brust-, Prostata- und Dickdarmkrebs Erkrankten auf. Eine schlechte Prognose haben Personen mit Lungenkrebs.
Der Kanton Luzern hat im Oktober 2022 ein systematisches Darmkrebsvorsorgeprogramm lanciert. Das Programm richtet sich an jede im Kanton Luzern wohnhafte Person im Alter zwischen 50 und 69 Jahren, sofern die medizinischen Voraussetzungen erfüllt sind. Die Vorsorgeuntersuchung hat zum Ziel, im Darm Polypen zu erkennen, bevor sie sich zu Tumoren entwickeln, und Tumore zu erkennen, bevor sie andere Organe angreifen.
Der Kanton Uri bietet als schweizweiter Vorreiter bereits seit 2013 ein kantonales Darmkrebsvorsorgeprogramm an. Das Programm ermöglicht allen interessierten Urnern/-innen im Alter von 50 bis 69 Jahren eine kostenlose Vorsorgeuntersuchung.
Inzidenz und Mortalität nach Alter
In den Zentralschweizer Kantonen Luzern, Uri, Ob- und Nidwalden waren 2017–2021 gut drei Fünftel der neu an Krebs Erkrankten 65 Jahre oder älter. Frauen erkranken insgesamt zwar seltener an Krebs als Männer, erkranken aber häufig in jüngeren Jahren. Die altersspezifische Inzidenzrate der 30- bis 54-jährigen Frauen lag über derjenigen der gleichaltrigen Männer, was unter anderem daran liegt, dass Brustkrebs in der Regel in jüngeren Jahren auftritt als Prostatakrebs.
Frauen erkranken und sterben im Alter seltener an Krebs als Männer
Im Alter ab 55 Jahren waren Männer 2017–2021 häufiger von Krebs betroffen als Frauen. Zwischen 60 bis 84 Jahren lag ihre Inzidenzrate 1,6-mal höher als jene der Frauen und ab 85 Jahren war sie fast doppelt so hoch (1,8-mal höher). Auch die Mortalitätsrate war bei den 85-jährigen und älteren Männern doppelt so hoch wie jene der Frauen.
Krebsbedingte Hospitalisierungen
Der Anteil der krebsbedingten Spitalaufenthalte lag im Zeitraum 2017–2021 bei 7 Prozent. Im Schnitt waren jährlich 5'160 Erkrankte der Kantone Luzern, Uri, Ob- und Nidwalden mit der Hauptdiagnose Krebs stationär hospitalisiert. In gut einem Drittel der krebsbedingten Hospitalisierungen wurde das Spital aufgrund der häufigsten Krebsarten Brust-, Dickdarm-, Lungen- oder Prostatakrebs aufgesucht. Insgesamt waren mehr Männer als Frauen in stationärer Spitalbehandlung, ausser in der Altersgruppe der 40- bis 54-Jährigen. Das ist unter anderem dadurch bedingt, dass Männer zwar häufiger, aber eher in höherem Alter an Krebs erkranken als Frauen.
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