Gradlinige und nichtgradlinige Bildungsverläufe
Bildungswege können gradlinig verlaufen oder auch durch Unterbrüche, Ausbildungswechsel und Repetitionen gekennzeichnet sein. So durchlaufen Lernende ihre Ausbildungen auf verschiedenen Pfaden und mit unterschiedlicher Dauer.
Auf verschiedenen Wegen zum ersten Abschluss auf Sekundarstufe II
Im Folgenden werden die Bildungswege von Luzerner Jugendlichen und jungen Erwachsenen vom Übertritt auf die Sekundarstufe I bis zum ersten Ausbildungsabschluss auf der Sekundarstufe II analysiert. Ein erster Abschluss auf Sekundarstufe II ist eine wichtige Voraussetzung für den erfolgreichen Einstieg in die Arbeitswelt. Erwerben junge Erwachsene keinen nachobligatorischen Abschluss, sind ihre beruflichen Chancen geringer und der Zugang zu vielen weiterführenden Ausbildungen bleibt ihnen verwehrt.
Gradlinige und nichtgradlinige Bildungsverläufe
Lernende mit gradlinigem Bildungsverlauf erwerben ihren Erstabschluss auf einem üblichen Weg und ohne Verzögerungen. Sie wechseln nach ihrem Eintritt auf der Sekundarstufe I zweimal in Folge in das jeweils nächsthöhere Ausbildungsjahr. Anschliessend erfolgt der Übertritt in eine weiterführende Ausbildung auf der Sekundarstufe II und der Abschluss dieser Ausbildung in der Regeldauer. Der gradlinige Weg weist keine Zwischenjahre, Brückenangebote, Repetitionen oder Ausbildungswechsel auf. Nichtgradlinige Bildungsverläufe hingegen weisen Umorientierungen, Unterbrüche und/oder Repetitionen auf und dauern bis zum Abschluss oft etwas länger als vorgesehen.
In die Analyse einbezogen werden folgende Ausbildungstypen: eidgenössisches Berufsattest (EBA); 3-jähriges eidgenössisches Fähigkeitszeugnis (EFZ); 4-jähriges EFZ; Fachmittelschulausweis; gymnasiale Maturität. Diese Ausbildungen qualifizieren für den Berufseinstieg oder eine weiterführende Ausbildung auf der Sekundarstufe II oder der Tertiärstufe. Zweitabschlüsse, welche nach einer dieser Ausbildungen erlangt werden, sind nicht Teil der Analyse. Darunter fallen zum Beispiel EFZ-Ausbildungen nach einem EBA-Abschluss, oder die Fachmaturität im Anschluss an den Fachmittelschulausweis.
Verlaufsanalysen für den Kanton Luzern
Das Programm «Längsschnittanalysen im Bildungsbereich» (LABB) des Bundesamts für Statistik ermöglicht die Verknüpfung von individuellen Bildungsdaten. Dadurch können Bildungsverläufe einzelner Personen in anonymisierter Form über einen längeren Zeitraum hinweg detailliert analysiert werden. Betrachtet werden im Folgenden die Bildungsverläufe der rund 4'000 jungen Luzernerinnen und Luzerner, die im Schuljahr 2012/13 auf die Sekundarstufe I eingetreten sind (ohne Sonderschulen), bis ins Schuljahr 2020/21. Dank der LABB-Daten kann über neun Jahre hinweg verfolgt werden, welche Ausbildungen die Jugendlichen besucht und welche Abschlüsse sie erlangt haben.
Das Programm «Längsschnittanalysen im Bildungsbereich» (LABB) des Bundesamts für Statistik ermöglicht die Verknüpfung von individuellen Bildungsdaten. So können Bildungswege über die Zeit nachgezeichnet und unter Einbezug anderer Datenquellen analysiert werden. Die Längsschnittanalysen ergeben sich aus der Verknüpfung, der Harmonisierung und einer Längsschnittbearbeitung von Datenquellen zum Bildungssystem (Statistik der Lernenden SdL, Statistiken der Abschlüsse SBA, Statistik der beruflichen Grundbildung SBG, schweizerisches Hochschulinformationssystem SHIS), sowie von der Strukturerhebung (SE), von der Statistik der Bevölkerung und der Haushalte (STATPOP), von Daten der individuellen Konten der Zentralen Ausgleichsstelle (ZAS) und des vom SECO verwalteten Informationssystems für die Arbeitsvermittlung und die Arbeitsmarktstatistik (AVAM).
Die LABB-Daten bilden die Basis für die vorliegenden Analysen. Sie erlauben derzeit die Begleitung einer Kohorte über die Sekundarstufe I sowie sechs nachobligatorische Schuljahre. Teil dieser Kohorte sind alle Personen, die per Schuljahr 2012/2013 von der Primarschule in eine Ausbildung auf Sekundarstufe I (Sekundarschule oder Gymnasium) im Kanton Luzern gewechselt haben.
Überblick
Rund 3'770 der rund 4'000 Luzerner Lernenden, die im Schuljahr 2012/13 auf die Sekundarstufe I eingetreten waren, schlossen in den folgenden neun Jahren eine erste nachobligatorische Ausbildung ab (94%). Rund 230 Lernende (6%) hatten am Ende des betrachteten Zeitraums noch keinen Abschluss erreicht. Von diesen Jugendlichen befand sich ein Drittel weiterhin oder erneut in einer Ausbildung. Die übrigen Personen waren zu diesem Zeitpunkt nicht im Bildungssystem erfasst.
4 von 10 Bildungsverläufen mit speziellen Ereignissen
Bei rund 2'440 Jugendlichen verlief der Ausbildungsweg von der Sekundarstufe I bis zu einem ersten Abschluss auf der Sekundarstufe II gradlinig (61%). Ein gradliniger Bildungsverlauf führt auf einem der üblichen Wege und ohne Verzögerung zum angestrebten Abschluss. Die Lernenden wechseln nach ihrem Eintritt auf der Sekundarstufe I zweimal in Folge in das nächsthöhere Ausbildungsjahr. Anschliessend erfolgt der direkte Übertritt in eine Ausbildung auf der Sekundarstufe II und der Abschluss dieser Ausbildung innerhalb der Regeldauer.
Die übrigen rund 1'560 Jugendlichen hatten keinen gradlinigen Bildungsverlauf (39%). Ihr Bildungsweg wies auf der Sekundarstufe I und/oder auf der Sekundarstufe II mindestens ein spezielles Ereignis auf. Damit sind die Wiederholung von Ausbildungsjahren, Wechsel zwischen verschiedenen Ausbildungstypen oder der Austritt aus dem Bildungssystem ohne einen ersten Abschluss gemeint. Auch Unterbrüche im Bildungsverlauf (z.B. aufgrund von Zwischenjahren) und der Besuch von Brückenangeboten gehören dazu.
Der Übertritt auf die Sekundarstufe II gelingt in den meisten Fällen
Die Übertritte von einer Bildungsstufe auf die nächste sind zentrale Nahtstellen im Bildungsverlauf. Der Übertritt von der Primarschule auf die Sekundarstufe I stellt die erste Weichenstellung im Bildungsverlauf der Jugendlichen dar. Dabei treten sie entweder in die Sekundarschule oder ins Langzeitgymnasium ein. Stellen sich die Anforderungen des gewählten Bildungswegs als zu hoch oder zu tief heraus, sind Repetitionen oder Umorientierungen in den anderen Bildungsweg möglich: 6 Prozent der Lernenden repetierten ein Schuljahr auf Sekundarstufe I; 2 Prozent orientierten sich zwischen Langzeitgymnasium und Sekundarschule um.
Die zweite wichtige Weichenstellung folgt am Ende der obligatorischen Schulzeit. Beim Übertritt auf die Sekundarstufe II gabeln sich die Bildungswege in Richtung der beruflichen Grundbildung oder einer Allgemeinbildung. Der Grossteil der Jugendlichen (81%) wechselte ohne Verzögerung auf die Sekundarstufe II. Das heisst, die Jugendlichen begannen direkt mit einer weiterführenden Ausbildung. Lernende ohne direkten Übertritt in eine Ausbildung auf Sekundarstufe II besuchten ein Brückenangebot und/oder legten ein oder mehrere Zwischenjahre ein (18%). Ein kleiner Teil der Jugendlichen verliess direkt nach der obligatorischen Schulzeit das Bildungssystem oder fand nach dem Besuch eines Brückenangebots keine Anschlusslösung (1%).
Auf der Sekundarstufe II kamen Unterbrüche, der Besuch von Brückenangeboten sowie Umorientierungen am häufigsten nach dem ersten Ausbildungsjahr vor und wurden anschliessend seltener. Repetitionen hingegen erfolgten auch später noch vergleichsweise häufig, in höheren Ausbildungsjahren auch in Zusammenhang mit nicht bestandenen Prüfungen.
Repetitionen und Unterbrüche kommen am häufigsten vor
Im Überblick aller Bildungsverläufe im Zeitraum von neun Jahren sind Repetitionen und Unterbrüche die am häufigsten vorkommenden speziellen Ereignisse: 15 Prozent aller Jugendlichen absolvierten mindestens ein Ausbildungsjahr doppelt. 14 Prozent waren mindestens einmal kurzzeitig aus dem Bildungssystem ausgetreten, um später wieder in eine Ausbildung einzutreten. Weitere häufig beobachtete Ereignisse in den Bildungsverläufen sind Umorientierungen in einen anderen Ausbildungstyp (11%) und der Besuch von Brückenangeboten (9%).
Ereignisse in nichtgradlinigen Bildungsverläufen und ihre Folgen
Ein durchlässiges Bildungssystem erlaubt Anpassungen beim Leistungsniveau oder beim Ausbildungstyp. Dadurch wird den sich verändernden Fähigkeiten, Interessen und Lebensumständen der Lernenden Rechnung getragen. Brückenangebote, Umorientierungen sowie Unterbrüche, um ausserhalb des Bildungssystems Erfahrungen zu sammeln, sind wichtige Elemente. Sie ermöglichen es den Jugendlichen, im Bildungssystem zu bleiben oder wieder in eine Ausbildung einzusteigen, wenn sich ein eingeschlagener Weg als nicht zielführend erwiesen hat.
Nichtgradlinige Bildungsverläufe weisen Umorientierungen, Unterbrüche und/oder Repetitionen auf und dauern bis zum Abschluss oft etwas länger als vorgesehen. Im Folgenden werden die verschiedenen möglichen Ereignisse und ihren Einfluss auf den weiteren Bildungsweg der jungen Luzernerinnen und Luzerner genauer betrachtet.
Umorientierungen
Unter Umorientierungen werden Änderungen von bereits getroffenen Ausbildungsentscheidungen verstanden. Während der obligatorischen Schulzeit ist damit der Wechsel zwischen Gymnasium und Sekundarschule gemeint. Am Übergang zwischen Sekundarstufe I und II werden Wechsel vom Gymnasium in eine berufliche Grundbildung oder eine Fachmittelschule als Umorientierung betrachtet. Im Bereich der nachobligatorischen Bildung gilt es als Umorientierung, wenn eine Person eine Ausbildung abbricht und in einen anderen Ausbildungstyp wechselt.
Rund 430 der rund 4'000 Luzerner Lernenden, die im Schuljahr 2012/13 auf die Sekundarstufe I eingetreten waren, orientierten sich auf ihrem Bildungsweg mindestens einmal neu (11%).
Jede sechste Person im Langzeitgymnasium orientiert sich während oder nach obligatorischer Schulzeit neu
Von den rund 700 Lernenden, die im Schuljahr 2012/13 in ein Langzeitgymnasium eingetreten waren, brachen 60 Personen (9%) das Gymnasium ab und wechselten an die Sekundarschule. Die meisten dieser Lernenden orientierten sich nach dem ersten Jahr am Gymnasium um (58%). Umorientierungen vom Gymnasium an die Sekundarschule waren teilweise mit einer Repetition verbunden: Gut ein Drittel der betroffenen Lernenden wiederholte das bereits am Gymnasium absolvierte Schuljahr an der Sekundarschule. Beim Übergang in die nachobligatorische Ausbildung beendeten nochmals rund 60 Personen ihre gymnasiale Ausbildung und traten in einen anderen Ausbildungstyp ein.
Weiter entschieden sich von den gut 80 Lernenden, die nach dem 2. Sekundarschuljahr ans Kurzzeitgymnasium gewechselt hatten und also das letzte obligatorische Schuljahr dort verbrachten, rund 10 Personen nach diesem Jahr für eine andere Ausbildung (13%).
8 Prozent der Lernenden auf der Sekundarstufe II orientierten sich neu
Im Bereich der nachobligatorischen Bildung werden alle Wechsel zwischen verschiedenen Ausbildungstypen als Umorientierung verstanden. 8 Prozent der Lernenden, die eine Ausbildung auf der Sekundarstufe II begonnen hatten, brachen ihre Ausbildung ab und wechselten in einen anderen Ausbildungstyp. In den meisten Fällen erfolgte die Umorientierung bereits nach dem ersten Jahr einer Ausbildung. In die Analyse einbezogen werden folgende Ausbildungstypen: eidgenössisches Berufsattest (EBA); 3-jähriges eidgenössisches Fähigkeitszeugnis (EFZ); 4-jähriges EFZ; Fachmittelschulausweis; gymnasiale Maturität.
Wechsel innerhalb des gleichen Ausbildungstyps können mit grossen Veränderungen für den einzelnen Lernenden verbunden sein. Aus methodischen Gründen können sie hier aber nicht als Umorientierungen ausgewiesen werden. Auch die Auflösung eines bestehenden Lehrvertrags und der Beginn einer Lehre in einem neuen Betrieb wird nicht als Umorientierung erfasst, wenn der Ausbildungstyp nicht gewechselt wird.
Bei Umorientierungen auf Sekundarstufe II wird häufig in eine Ausbildung mit tieferen schulischen Anforderungen gewechselt
Auf der Sekundarstufe II erfolgten die meisten Umorientierungen von einer Ausbildung mit höheren zu einer Ausbildung mit tieferen schulischen Anforderungen. Am häufigsten waren Wechsel von einer 3-jährigen Berufslehre (EFZ) zu einer Berufsausbildung, die mit einem Berufsattest (EBA) abgeschlossen wird.
Wechsel in einen Ausbildungstyp mit höheren schulischen Anforderungen sind selten. Am häufigsten sind sie bei EBA-Lernenden, von denen gut 4 Prozent ihren ersten Abschluss in einer EFZ-Ausbildung erlangten. Umorientierungen, die an ein Gymnasium führen, gibt es fast keine. 17 Prozent aller Lernenden mit Umorientierung auf Sekundarstufe II hatten bis zum Analyseende (noch) keine Ausbildung abgeschlossen.
1 von 4 Umorientierungen hat keine Auswirkungen auf die Bildungsdauer
Eine Umorientierung kann zu einer Verlängerung der Ausbildungszeit führen. Dies, wenn zum Beispiel bei einem Ausbildungswechsel ein Jahr wiederholt wird oder der Wechsel mit dem Eintritt in ein tieferes Ausbildungsjahr verbunden ist. Von den rund 430 Jugendlichen, die sich auf ihrem Bildungsweg mindestens einmal neu orientiert hatten, erreichten knapp 260 ihren ersten Abschluss nach einer längeren Ausbildungszeit als üblich (60%).
Bei gut 110 Lernenden (26%) hatte die Neuorientierung keinen Einfluss auf die Dauer des Bildungswegs gehabt. Sie haben ihren Abschluss im selben Jahr erreicht, wie wenn sie den üblichen Bildungsweg gewählt hätten. Gut die Hälfte dieser Personen hatte vor der Umorientierung ein Gymnasium besucht und den Ausbildungstyp auf der Sekundarstufe I oder beim Übertritt auf die Sekundarstufe II gewechselt. Die andere Hälfte hatte eine begonnene nachobligatorische Ausbildung abgebrochen und war in einen neuen Ausbildungstyp eingetreten. Dabei handelte es sich oft um Wechsel zwischen verschiedenen Typen der beruflichen Grundbildung, die zu einer Verkürzung der Ausbildungsdauer führten, wie zum Beispiel der Wechsel von einer 3-jährigen Berufslehre zu einer 2-jährigen Berufsausbildung, die mit einem Berufsattest (EBA) abgeschlossen wird.
Jugendliche, die sich umorientiert hatten, schlossen seltener im betrachteten Zeitraum eine Ausbildung ab als Jugendliche ohne Umorientierung (86% vs. 95%). Von den 14 Prozent der Jugendlichen ohne Erstabschluss befanden sich aber knapp zwei Drittel am Ende des analysierten Zeitraums noch in Ausbildung.
Repetitionen
Eine Repetition liegt vor, wenn eine Person ein Ausbildungsjahr ein zweites Mal absolviert, ohne sich gleichzeitig neu zu orientieren. An den Sekundarschulen können grundsätzlich alle Ausbildungsjahre wiederholt werden, an den Gymnasien ist eine Repetition im Regelfall erst ab dem zweiten Jahr möglich. Repetitionen während der obligatorischen Schule verlieren durch die Schaffung längerfristiger Lernzyklen und die Einführung von durchlässigen und integrativen Schulmodellen an Bedeutung.
Auf der Sekundarstufe II haben Repetitionen eine grössere Bedeutung, um noch nicht erreichte Lernziele aufzuholen. Sie können auch bei einem Wechsel des Ausbildungsberufs oder des Ausbildungsbetriebs notwendig werden. Bei nicht bestandenen Qualifikationsverfahren oder Abschlussprüfungen kommt es zudem häufig zu einer Wiederholung des Abschlussjahrs.
In rund 580 der rund 4'000 Bildungsverläufe kam mindestens eine Repetition vor (15%). Repetitionen auf Sekundarstufe I waren seltener als Repetitionen auf Sekundarstufe II (6% vs. 9%). Knapp 1 Prozent der Lernenden repetierte auf beiden Stufen.
Repetitionen an den Sekundarschulen stehen oft in Zusammenhang mit Niveauwechseln
Wenn Lernende ein Jahr der Sekundarschule repetierten, wechselten sie in rund einem Drittel der Fälle gleichzeitig in ein höheres Anforderungsniveau. Die Repetition ermöglichte ihnen also den Wechsel von einer Sekundarschulklasse mit Niveau C/D in eine Sekundarschulklasse mit Niveau A/B.
Auf Sekundarstufe II wiederholten 9 Prozent der Jugendlichen mindestens ein Ausbildungsjahr. Am häufigsten repetierten Lernende im nachobligatorischen Gymnasium und in 3-jährigen Berufslehren: Von den Jugendlichen, die in eine dieser Ausbildungen eingetreten waren, hatten je rund 10 Prozent mindestens ein Ausbildungsjahr wiederholt. Am tiefsten lag die Repetitionsquote bei den Lernenden, die in eine 4-jährige Berufslehre eingetreten waren (6%).
Lernende mit Repetition(en) orientieren sich häufiger um und erreichen häufiger keinen Abschluss
In Bildungsverläufen mit Repetition kommen Umorientierungen vergleichsweise häufiger vor. Von den Lernenden mit Repetition orientierten sich 17 Prozent auf ihrem Bildungsweg mindestens einmal um. Bei den Lernenden ohne Repetition betrug dieser Anteil 10 Prozent.
Lernende, die mindestens einmal repetiert haben, erlangten den Erstabschluss im betrachteten Zeitraum seltener als Lernende ohne Repetition (85% vs. 96%). Bildungsverläufe mit einem wiederholten Jahr verzögern sich zudem oft um mehrere Jahre: So befanden sich 8 Prozent der Lernenden mit Repetition im Schuljahr 2020/21, dem letzten Jahr des analysierten Zeitraums, weiterhin in Ausbildung, ohne einen Abschluss erlangt zu haben. 7 Prozent waren zu diesem Zeitpunkt nicht im Bildungssystem erfasst.
Ereignisse beim Übergang von der Sekundarstufe I auf die Sekundarstufe II
Übergänge im Bildungssystem sind entscheidende Weichenstellungen, die Bildungslaufbahnen prägen und individuelle Biografien massgeblich beeinflussen.
Der Übergang von der obligatorischen in die nachobligatorische Ausbildungszeit verläuft im Idealfall nahtlos. Verzögerungen müssen jedoch nicht zwangsläufig auf Probleme hinweisen, sondern können zur Wahl einer passenden Ausbildung und somit zu einem nachhaltigen Bildungserfolg beitragen. Der Grossteil der Lernenden trat direkt nach Ende der obligatorischen Schulzeit in eine weiterführende Ausbildung ein, nämlich rund 3'250 von rund 4'000 (81%).
Wenn im Anschluss an die obligatorische Schulzeit keine Anschlusslösung gefunden werden kann, bestehen verschiedene Brückenangebote. Weiter können auch Zwischenjahre in Form eines Sprachaufenthalts oder eines Praktikums eingelegt werden. Rund 700 Jugendliche fanden nach einem Brückenangebot oder einem Unterbruch eine Anschlusslösung (18%), rund 50 traten in keine nachobligatorische Ausbildung ein (1%).
Grossteil der Lernenden in Brückenangeboten schafft den Übertritt
Die öffentlich oder privat organisierten Brückenangebote haben zum Ziel, auf die Berufsbildung oder eine weiterführende Schule vorzubereiten. Zudem werden die jungen Erwachsenen bei der Berufswahl begleitet und bei der Lehrstellensuche unterstützt.
Gut 340 der rund 4'000 Luzerner Lernenden, die im Schuljahr 2012/13 auf die Sekundarstufe I eingetreten waren, besuchten vor ihrem Übertritt auf die Sekundarstufe II ein Brückenangebot (9%). Die meisten von ihnen haben direkt nach der obligatorischen Schulzeit in das Brückenangebot gewechselt (96%), die übrigen nach einem Zwischenjahr ausserhalb des Bildungssystems (4%). Für den Grossteil der Lernenden konnte die Übergangsausbildung die Brücke in eine Ausbildung auf Sekundarstufe II schlagen. Im Anschluss an sie fanden 82 Prozent der Jugendlichen einen Ausbildungsplatz. Für 14 Prozent der Jugendlichen klappte der Übertritt nach weiteren Zwischenjahren. Die übrigen 4 Prozent traten aus dem Bildungssystem aus.
Deutlich mehr verzögerte Übertritte bei den Frauen
In knapp 430 der rund 4'000 Bildungsverläufe trat vor dem Übertritt in die Sekundarstufe II ein Unterbruch auf (11%). Der Unterbruch kann damit zu tun haben, dass Lernende wegen einer fehlenden Anschlusslösung zwischenzeitlich aus dem Bildungssystem ausscheiden. Der Unterbruch kann aber auch durch ein geplantes Zwischenjahr begründet sein, zum Beispiel einen Sprachaufenthalt oder ein Praktikum.
Bei gewissen Lehrberufen ist ein Praktikum vor Lehrantritt üblich. Das ist vor allem bei Ausbildungen im Bereich Gesundheit und Sozialwesen der Fall, die mehrheitlich von Frauen gewählt werden. Das dürfte mit ein Grund für die deutlichen Geschlechterunterschiede bei den Unterbrüchen sein: Während 16 Prozent der Frauen ein Zwischenjahr ausserhalb des Bildungssystems absolviert hatten, waren es bei den Männern 5 Prozent gewesen. Frauen hatten vor ihrem Übertritt zudem häufiger ein Brückenangebot besucht als Männer (10% vs. 7%). Der Anteil an direkten Übertritten war bei den Frauen folglich deutlich tiefer als bei den Männern (74% vs. 88%).
Beim Besuch von Brückenangeboten sind zudem Unterschiede nach Nationalität auszumachen. Ausländerinnen und Ausländer traten fast viermal häufiger im Anschluss an ein Brückenangebot auf die Sekundarstufe II über als dies Jugendliche mit Schweizer Nationalität taten.
Verzögerte Übergänge häufiger nach Schulabschluss mit tieferem Anforderungsniveau
Gymnasiastinnen und Gymnasiasten treten fast ausschliesslich direkt auf die Sekundarstufe II über. Wenn sie das Langzeitgymnasium fortführen, verläuft der Übertritt von der obligatorischen in die nachobligatorische Schulzeit für sie ohne grosse Veränderungen.
Für die Lernenden aus der Sekundarschule, die sich für eine berufliche Grundbildung entscheiden, stellt nicht nur die Berufswahl, sondern auch die Suche nach der passenden Lehrstelle eine Herausforderung dar. Sie traten daher häufiger nicht direkt auf die Sekundarstufe II über. Dabei verzögerten sich die Übertritte bei Lernenden der Niveaus C/D im Verhältnis deutlich häufiger als bei Lernenden der Niveaus A/B.
Die Jugendlichen, die direkt nach der obligatorischen Schulzeit aus dem Bildungssystem ausgetreten waren, hatten in den meisten Fällen eine Sekundarschule im Niveau C/D besucht.
Abschlussquote nach direktem Übertritt liegt höher als nach Zwischenjahren
Lernende mit direktem Übertritt erlangten häufiger einen Abschluss auf Sekundarstufe II als Lernende mit verzögertem Übertritt. So schlossen 97 Prozent der Jugendlichen mit nahtlosem Übertritt im betrachteten Zeitraum eine erste Ausbildung ab. Bei den Lernenden, die direkt nach einem Brückenangebot oder einem Zwischenjahr eine Anschlusslösung fanden, lagen die Erstabschlussquoten leicht tiefer (96% bzw. 91%). Eine deutlich tiefere Abschlussquote wiesen Lernende auf, bei welchen der Übertritt um mehrere Jahre verzögert wurde (73%).
Unterbrüche im Lauf der nachobligatorischen Ausbildung
Unterbrüche in Bildungsverläufen haben vielfältige Gründe. Zum Beispiel können gesundheitliche oder familiäre Gründe einen Unterbruch verursachen. Oder der Wechsel in eine neue Ausbildung und/oder an einen anderen Ausbildungsplatz kann nicht nahtlos erfolgen. Es sind aber auch geplante und gewünschte Unterbrüche denkbar, beispielsweise um ein Praktikum oder einen Sprachaufenthalt zu absolvieren. Was die einzelnen Personen während eines Unterbruchs tun, ist statistisch nicht erfasst. Es ist lediglich bekannt, dass sie sich zu einem bestimmten Zeitpunkt nicht in einer Ausbildung befunden haben.
Knapp 150 der rund 4'000 Lernenden traten nach dem Beginn ihrer nachobligatorischen Ausbildung für mindestens ein Jahr aus dem Bildungssystem aus und nahmen später wieder eine Ausbildung auf (4%).
Unterbrüche in der beruflichen Grundbildung sind kritisch
Gut ein Drittel der Jugendlichen, die ihre Ausbildung auf Sekundarstufe II unterbrochen hatten, kehrten in denselben Ausbildungstyp zurück und führten ihre Ausbildung zu Ende (36%). Knapp ein Viertel erlangte den ersten Abschluss nach einer Umorientierung (24%). Für einen vergleichsweise grossen Anteil der Jugendlichen mit Unterbruch verlängerte sich der Ausbildungsweg um mehrere Jahre, sodass sie ihre Ausbildung bis zum Analyseende noch nicht abgeschlossen hatten (29%). Rund ein Zehntel aller Jugendlichen mit Unterbruch hat keine Ausbildung abgeschlossen und befand sich auch nicht mehr in Ausbildung (11%).
Es zeigen sich Unterschiede zwischen den beruflichen und den allgemeinbildenden Ausbildungen. Von den Jugendlichen, die nach der obligatorischen Schule in eine berufliche Grundbildung eingestiegen waren und ihren Bildungsverlauf unterbrochen hatten, erlangte rund die Hälfte (52%) bis zum Analyseende einen ersten Abschluss. An den Gymnasien und den Fachmittelschulen traf dies auf vier Fünftel zu (80%). Das könnte ein Hinweis darauf sein, dass an den allgemeinbildenden Schulen Zwischenjahre häufiger geplant sein dürften, während die Unterbrüche in der Berufsbildung häufiger mit abgebrochenen Ausbildungen zusammenhängen könnten.
Bildungsverläufe nach Merkmalen der Lernenden
Bildungsverläufe hängen von der Struktur des Bildungssystems und den gesetzlichen Regelungen ab. Mit der hohen Durchlässigkeit innerhalb des Bildungssystems werden die Bildungsverläufe individueller und vielfältiger.
Merkmale wie das Geschlecht oder der familiäre Hintergrund können den Bildungsverlauf von Jugendlichen prägen. Auch Rahmenbedingungen wie regionale Unterschiede im Angebot von allgemeinbildenden Schulen oder Übergangausbildungen beeinflussen die Entscheidungen auf dem Bildungsweg. Nicht zuletzt sind die Bildungswege auch durch den gewählten Ausbildungstyp oder die gewählte Branche charakterisiert.
Bei 6 von 10 Lernenden verläuft der Bildungsweg gradlinig
Rund 2'440 der rund 4'000 Luzerner Lernenden, die im Schuljahr 2012/13 auf die Sekundarstufe I eingetreten waren, erreichten einen ersten Abschluss auf gradlinigem Weg (61%). Rund 960 Lernende erreichten ihren Abschluss mit Verzögerung, zum Beispiel aufgrund einer Repetition oder eines Zwischenjahrs (24%). Rund 370 Lernende (9%) schlossen ihre Ausbildung nach mindestens einer Umorientierung ab, davon knapp 260 mit Verzögerung.
Rund 230 Lernende (6%) hatten am Ende des betrachteten Zeitraums noch keinen Abschluss erreicht. Von diesen Jugendlichen befanden sich knapp 160 weiterhin oder erneut in einer Ausbildung. Die übrigen Personen waren zu diesem Zeitpunkt nicht im Bildungssystem erfasst.
Häufiger Umorientierungen bei Männern, häufiger Verzögerungen bei Frauen
Männer und Frauen erreichten fast gleich oft einen Erstabschluss (94% vs. 95%). Geschlechtsspezifische Unterschiede lassen sich in der Ausbildungsdauer beobachten: Männer schlossen ihre Ausbildung etwas häufiger auf gradlinigem Weg ab als Frauen (64% vs. 57%). Dagegen orientierten sich Männer etwas häufiger zwischen den Ausbildungstypen um: 10 Prozent der Männer erreichten ihren Erstabschluss nach mindestens einer Umorientierung, bei den Frauen waren es 8 Prozent.
Knapp 3 von 10 Frauen wiesen eine Verzögerung im Bildungsverlauf auf, ohne sich zwischen den Ausbildungstypen umorientiert zu haben. Das ist vor allem darauf zurückzuführen, dass der Übertritt auf die Sekundarstufe II bei vielen Frauen verzögert erfolgte (24%). Ein Grund dafür dürfte sein, dass in den mehrheitlich von Frauen gewählten Lehrberufen im Gesundheits- und Sozialbereich vor Ausbildungsbeginn häufig Praktika absolviert werden. 44 Prozent der Lernenden in diesem Bildungsfeld hatten ihre Ausbildung mit Verzögerung abgeschlossen, ohne sich neu orientiert zu haben. Dieser Anteil ist deutlich höher als in den anderen Bildungsfeldern.
Nichtgradlinige Verläufe sind bei ausländischen Lernenden häufiger
Während 95 Prozent der in der Schweiz geborenen Lernenden mit Schweizer Nationalität einen Erstabschluss erreichten, waren es bei den im Ausland geborenen Ausländerinnen und Ausländern deutlich weniger (86%). Die Bildungsverläufe der Ausländerinnen und Ausländer waren zudem häufiger durch Verzögerungen gekennzeichnet.
Die Bildungsverläufe unterscheiden sich auch nach Analyseregion: Bildungswege von Personen aus Stadt und Agglomeration Luzern dauerten tendenziell länger als diejenigen von Personen aus ländlichen Gebieten. So erreichten zum Beispiel im Entlebuch über zwei Drittel der Lernenden ihren ersten Abschluss auf gradlinigem Weg und in der Regeldauer, in der Stadt und dem Agglomerationskern Luzern war es gut die Hälfte.
Diese Unterschiede dürften einerseits mit der Sozialstruktur, andererseits mit regionalen Unterschieden im Bildungsangebot und bei den Bildungspräferenzen zu tun haben. So kann zum Beispiel ein grösseres Angebot an Zwischenlösungen dazu führen, dass mehr Lernende davon Gebrauch machen. Auch das Lehrstellenangebot kann regional unterschiedlich sein und die Bildungsentscheidungen beeinflussen.
Gradlinige Verläufe sind häufiger bei Lernenden in höheren schulischen Anforderungsniveaus
Jugendliche, die am Ende der obligatorischen Schulzeit ein Langzeitgymnasium oder eine Sekundarschule im Niveau A/B besucht hatten, erlangten am häufigsten einen ersten Abschluss auf der Sekundarstufe II (98% bzw. 97%). Mit 68 respektive 65 Prozent wiesen diese beiden Gruppen auch den höchsten Anteil an Lernenden auf, die ihren Erstabschluss auf gradlinigem Weg erreichten.
Von den Abgängerinnen und Abgängern einer Sekundarschule mit Niveau C/D erlangten im betrachteten Zeitraum 87 Prozent einen Erstabschluss. 48 Prozent der Lernenden aus diesem Anforderungsniveau schlossen eine erste Ausbildung auf gradlinigem Weg ab.
EBA-Abschlüsse werden vergleichsweise häufig mit Verzögerung erlangt
Je nach dem, in welchen Ausbildungstyp die Lernenden auf Sekundarstufe II eintreten, gibt es Unterschiede in den Bildungsverläufen. Zum Beispiel ist der Anteil an gradlinigen Verläufen unter den EBA-Lernenden deutlich kleiner als unter den Lernenden, die mit einer 4-jährigen EFZ-Ausbildung gestartet waren (40% vs. 70%). Dieser Unterschied ist vor allem auf Verzögerungen beim Übertritt auf die Sekundarstufe II zurückzuführen.
Die gut 80 Jugendlichen, die ihre nachobligatorische Schulzeit an einer Fachmittelschule begonnen hatten, erlangten im betrachteten Zeitraum fast alle einen Erstabschluss (in der Grafik aufgrund der zu kleinen Fallzahl nicht ausgewiesen). Unter diesen Lernenden kamen Ausbildungsverläufe, die nach einer Umorientierung abgeschlossen wurden, überdurchschnittlich häufig vor (33% vs. 9%). Der Grossteil dieser Umorientierungen führte von der Fachmittelschule zu einer 3-jährigen Berufslehre.
Datenbasis
Der Bildungsbericht basiert hauptsächlich auf statistischen Daten. Die Wahl der Quellen und Auswertungsmethoden erfolgte auf der Grundlage statistischer Überlegungen und folgt den Qualitätskriterien der öffentlichen Statistik.
- Bundesamt für Statistik: Längsschnittanalysen im Bildungsbereich (Datenstand: 29.11.2022)
LUSTAT-Newsletter
Aktuelle Analysen, Daten und Erkenntnisse zum Kanton Luzern. Kompakt, verlässlich und direkt per E-Mail.