Übergang von der Lehre in den Arbeitsmarkt
Lehrbetriebe spielen zentrale Rolle beim Berufseinstieg
Knapp drei Viertel der Luzerner Schulabgänger/innen entscheiden sich für eine berufliche Grundbildung mit dem Ziel, ein eidgenössisches Fähigkeitszeugnis (EFZ) oder ein Berufsattest (EBA) zu erlangen. Auf den erfolgreichen Lehrabschluss folgt für die meisten jungen Berufsleute der Eintritt in den Arbeitsmarkt. Der Übergang ins Erwerbsleben ist für die weitere berufliche Entwicklung entscheidend.
Wie gestaltet sich der Übergang der Jugendlichen und jungen Erwachsenen vom Lehrabschluss in den Arbeitsmarkt? Wie viele Lehrabgänger/innen setzen ihre Ausbildung fort? Wie häufig verzögert sich der Übergang in die Erwerbstätigkeit? Und wie viele junge Erwachsene treten nach einem Lehrabschluss keine Stelle an?
Analyse des Arbeitsmarkteintritts anhand der Längsschnittanalysen im Bildungsbereich
Das Programm "Längsschnittanalysen im Bildungsbereich" des Bundesamts für Statistik verknüpft Bildungsdaten mit Informationen zur späteren Erwerbs- und Ausbildungssituation. Die Analyse dieser Daten zeigt auf, wie sich Absolvierende einer beruflichen Grundbildung während 42 Monaten nach ihrem Abschluss in den Arbeitsmarkt integrieren und/oder ihre Ausbildung fortsetzen.
Die Grundgesamtheit bilden alle Personen zwischen 17 und 25 Jahren, die in den Jahren 2018, 2019 oder 2020 (jüngste verfügbare Datenjahre) eine berufliche Grundbildung abgeschlossen haben und zu diesem Zeitpunkt im Kanton Luzern wohnhaft waren. Personen, die im gleichen Jahr sowohl ein EFZ als auch eine lehrbegleitende Berufsmaturität (BM1) abgeschlossen haben, gehören nicht zur Grundgesamtheit.
Dreieinhalb Jahre nach Lehrabschluss sind 9 von 10 jungen Luzerner/innen erwerbstätig
In den Jahren 2018 bis 2020 schlossen rund 8'200 Luzerner/innen eine berufliche Grundbildung ab (EBA und EFZ, ohne Berufsmaturität). 860 davon waren EBA-Abschlüsse (11%). Im Bildungsfeld "Wirtschaft und Verwaltung" wurden insgesamt die meisten Lehrabschlüsse erlangt (2'068), das Bildungsfeld "Informatik" zählte am wenigsten Abschlüsse (133).
Wird die Erwerbssituation der jungen Berufsleute 6, 18, 30 und 42 Monate nach Lehrabschluss betrachtet, zeigt sich folgendes Bild: Mit zunehmendem zeitlichen Abstand zum Lehrabschluss sind stetig mehr Lehrabgänger/innen erwerbstätig. Zwischen 6 und 42 Monate nach Abschluss steigt der Anteil der Erwerbstätigen (inkl. Erwerbstätige in Ausbildung) um 5 Prozentpunkte auf 91 Prozent. Der Anteil derjenigen, die zusätzlich zur Erwerbstätigkeit eine weitere Ausbildung absolvieren, nimmt ebenfalls deutlich zu. Der Anteil der Personen, die weder in Ausbildung noch erwerbstätig sind, wird im Lauf der Zeit kleiner. Im Folgenden wird für letztere Gruppe das englische Akronym NEET verwendet (Not in Education, Employment or Training).
Lehrbetriebe spielen zentrale Rolle beim Berufseinstieg
Die Zeitspanne zwischen Lehrabschluss und Erstbeschäftigung ist ein wichtiger Hinweis dafür, wie gut der Übergang ins Erwerbsleben gelingt. Insgesamt nahmen 7 von 10 jungen Berufsleuten direkt eine Erstbeschäftigung auf: 5 von 10 blieben weiterhin im Lehrbetrieb angestellt, 2 von 10 traten nahtlos eine Stelle in einem neuen Betrieb an (22%). Für die übrigen Lehrabgänger/innen erfolgte der Einstieg in die Erstbeschäftigung nach einem Unterbruch. Diese Unterbrüche können sowohl ungeplant als auch geplant sein (z.B. Militär- oder Zivildienst, Sprachaufenthalte).
Bei den nahtlosen Übertritten zeigen sich wenig Unterschiede nach Ausbildungstyp, Geschlecht oder Herkunft der jungen Berufsleute. Etwas grössere Unterschiede sind in Bezug auf die Weiterbeschäftigung im Lehrbetrieb zu beobachten: Bei den Personen mit EFZ war dies häufiger der Fall als bei jenen mit EBA. Männer blieben häufiger im Lehrbetrieb angestellt als Frauen. In der Schweiz geborene Ausländer/innen wurden im Vergleich zu den Personen der anderen Migrationskategorien am häufigsten vom Lehrbetrieb weiterbeschäftigt.
Grossteil startet erste Stelle innert drei Monaten nach Lehrabschluss
Ein Grossteil der Luzerner Lehrabgänger/innen (88%) trat innert drei Monaten nach Abschluss eine erste Stelle an. Weitere 8 Prozent fanden zwischen 3 und 12 Monaten nach Abschluss eine Stelle. Bei 4 Prozent dauerte der Unterbruch bis zur Aufnahme einer Erwerbstätigkeit mehr als ein Jahr. Bei weniger als einem Prozent fand innerhalb von 30 Monaten nach Lehrabschluss kein Übergang ins Erwerbsleben statt; etwas mehr als die Hälfte dieser Personen war im betrachteten Zeitraum mindestens einmal in Ausbildung gewesen.
Der Anteil der Personen, die nach spätestens 3 Monaten eine Erwerbstätigkeit aufnahmen, war bei den EBA- und den EFZ-Abgänger/innen fast gleich gross (87% vs. 88%). Männer traten ihre erste Stelle häufiger nach mehr als drei Monaten Unterbruch an als Frauen, was zumindest teilweise mit dem Militär- oder Zivildienst zusammenhängt. Aus dem gleichen Grund dürfte sich auch der Erwerbseintritt von Schweizer/innen im Vergleich zu demjenigen der Ausländer/innen häufiger verzögert haben.
Je nach Bildungsfeld erfolgt der Berufseinstieg unterschiedlich rasch
Der Übertritt in die Erstbeschäftigung gestaltet sich je nach Bildungsfeld unterschiedlich. Die jungen Berufsleute des Bildungsfelds "Land- und Forstwirtschaft, Tiermedizin" traten am häufigsten nahtlos in die Erstbeschäftigung ein (83%). Am seltensten war dies in den Gesundheitsberufen der Fall (63%). Auch in Bezug auf die Weiterbeschäftigung im Lehrbetrieb sind die Unterschiede deutlich: Im Bildungsfeld "Architektur und Baugewerbe" übernahmen die Lehrbetriebe ihre Lernenden besonders häufig (65%). Lehrabgänger/innen aus dem Bereich "Land- und Forstwirtschaft, Tiermedizin" blieben am seltensten im Lehrbetrieb angestellt (33%).
Die Personen in den Berufen des Gesundheits- oder Sozialwesens traten am häufigsten innerhalb von drei Monaten nach ihrem Lehrabschluss eine Stelle an (92% resp. 96%). Umgekehrt war der Anteil der Personen, die in diesem Zeitraum eine erste Stelle antraten, in den Bildungsfeldern Informatik und Künste am kleinsten (82% resp. 83%). Das Bildungsfeld Künste umfasst zum Beispiel die Berufe Florist/in, Polygraf/in oder Mediamatiker/in.
Im Lehrbetrieb dauert Erstbeschäftigung häufig länger
Fast zwei Drittel der Personen, die nach ihrem Lehrabschluss im Lehrbetrieb weiterbeschäftigt wurden, blieben mindestens weitere 15 Monate dort (65%). Bei den Personen, die nahtlos eine Stelle in einem anderen Betrieb angetreten hatten, war das bei gut der Hälfte (52%) der Fall. Von den Personen, die nicht im Lehrbetrieb geblieben waren, wechselte ein deutlich höherer Anteil innerhalb der ersten 6 Monate die Stelle.
Die Dauer der Erstbeschäftigung hängt auch mit der Branche zusammen: So blieben nach einem nahtlosen Übergang zwei Drittel der Lehrabgänger/innen des Bildungsfelds "Ingenieurwesen und Technik" mehr als 15 Monate im Betrieb (67%); im Bildungsfeld "Persönliche Dienstleistungen" war das bei weniger als der Hälfte (45%) der Fall. Das Bildungsfeld "Persönliche Dienstleistungen" umfasst zum Beispiel die Berufe Koch/Köchin oder Coiffeur/-euse.
Ein Viertel befindet sich zweieinhalb Jahre nach Lehrabschluss in Ausbildung
Nach einer beruflichen Grundbildung stehen den jungen Berufsleuten verschiedene weiterführende Ausbildungen offen. Zum Beispiel kann nach einem EBA in einer weiteren (verkürzten) beruflichen Grundbildung ein EFZ erlangt werden. Oder nach einem EFZ können die Berufsmaturität oder Ausbildungen der höheren Berufsbildung in Angriff genommen werden.
Jede vierte Person befand sich 30 Monate (2,5 Jahre) nach Lehrabschluss in einer Ausbildung. Das ist ein deutlich grösserer Anteil als 6 Monate nach Abschluss (16%). Zu beiden Zeitpunkten absolvierte die grosse Mehrheit dieser Personen ihre Ausbildung in Teilzeit und war gleichzeitig erwerbstätig.
Viele EBA-Abgänger/innen erlangen nach ihrer Erstausbildung zusätzlich ein EFZ: 6 respektive 18 Monate nach Lehrabschluss waren jeweils gut 4 von 10 EBA-Abgänger/innen in einer Ausbildung. Anschliessend sank dieser Anteil, jedoch waren Personen mit EBA auch 30 Monate nach Lehrabschluss häufiger in Ausbildung als Personen mit EFZ.
Frauen waren 30 Monate nach Lehrabschluss häufiger in Ausbildung als Männer, Schweizer/innen häufiger als Ausländer/innen.
Nach Bildungsfeld betrachtet befanden sich die Lehrabgänger/innen der Gesundheitsberufe am häufigsten in Ausbildung, gefolgt von den Informatiker/innen. Vergleichsweise selten absolvierten die jungen Berufsleute der Verkehrsdienstleistungen (z.B. Logistiker/in) eine Ausbildung.
4 von 10 Personen waren mindestens einmal weder erwerbstätig noch in Ausbildung
Die Zeit unmittelbar nach Lehrabschluss kann herausfordernd sein. Die Suche nach einer passenden Arbeitsstelle, deren Anforderungen und Tätigkeitsgebiet zu den eigenen Fähigkeiten passen, kann dauern. Zudem ist es möglich, dass sich eine angetretene Stelle als unpassend herausstellt und eine Um- oder Neuorientierung nötig ist.
Die Analyse zeigt, dass in den 30 Monaten nach Lehrabschluss oft Übergangszeiten vorkommen. Das sind Zeitspannen, in denen die jungen Berufsleute nicht erwerbstätig sind und auch keine Ausbildung absolvieren (sogenannte NEET-Situationen). Im Folgenden werden die NEET-Situationen ohne EO-Beziehende analysiert: Das heisst, Personen ohne Anstellung, die aufgrund des Militär- oder Zivildienstes nicht erwerbstätig sind, werden ausgeschlossen.
In den 30 Monaten nach Lehrabschluss befanden sich 4 von 10 jungen Berufsleuten mindestens einmal in einer NEET-Situation (ohne EO-Bezug). Für mehr als die Hälfte von ihnen dauerte der NEET-Status nur kurz, nämlich maximal 3 Monate; gut ein Drittel war zwischen 4 und 12 Monaten ohne Erwerbsarbeit und Ausbildung. Für die Übrigen war dies für länger als ein Jahr der Fall.
Phasen ohne Erwerbsarbeit und Ausbildung kommen häufiger bei Personen in städtischen Gebieten vor
Bei den Personen in NEET-Situationen zeigen sich Unterschiede nach Ausbildungstyp. Personen mit EBA befanden sich insgesamt häufiger mindestens einmal in einer NEET-Situation als Personen mit EFZ. Noch deutlicher waren die Unterschiede bei der Dauer: Nach einem EBA dauerte die NEET-Situation fast viermal häufiger mehr als ein Jahr als nach einem EFZ (8,6% vs. 2,3%).
Bei den Personen in NEET-Situationen bestehen ebenfalls Unterschiede nach Geschlecht und Migrationskategorie. Frauen befanden sich innert 30 Monaten nach Abschluss häufiger mindestens einmal in einer NEET-Situation als Männer. Dies ist auf kurzzeitige Unterbrüche von höchstens 3 Monaten zurückzuführen, die bei den Frauen häufiger vorkamen. In der Schweiz geborene Schweizer/innen befanden sich seltener in einer NEET-Situation als Personen der übrigen Migrationskategorien.
Deutliche Unterschiede sind zudem nach Gemeindetyp auszumachen: Bei Personen aus städtischen Gebieten kamen Phasen ohne Erwerbsarbeit und Ausbildung deutlich häufiger als bei Personen aus intermediären oder ländlichen Gebieten vor.
NEET-Situationen im Bildungsfeld "Persönliche Dienstleistungen" am häufigsten
Personen mit einer Ausbildung im Bildungsfeld "Persönliche Dienstleistungen" waren nach Lehrabschluss am häufigsten von NEET-Situationen (ohne EO-Bezug) betroffen: Mehr als die Hälfte der Personen war innerhalb der 30 Monate nach Lehrabschluss mindestens einmal nicht erwerbstätig und nicht in Ausbildung. Im Bildungsfeld "Künste" war knapp die Hälfte der Lehrabgänger/innen mindestens einmal in einer NEET-Situation. Diese beiden Bildungsfelder stehen auch an der Spitze, wenn nur die längerfristigen NEET-Situationen (mehr als 3 Monate) betrachtet werden.
Im Bildungsfeld "Land-/Forstwirtschaft und Tiermedizin" waren die jungen Berufsleute am seltensten in einer NEET-Situation: Innert 30 Monaten nach Lehrabschluss war dies bei nicht ganz jeder dritten Person der Fall gewesen. Auch in den Bildungsfeldern "Ingenieurwesen und Technik", "Architektur und Baugewerbe" sowie "Verarbeitendes Gewerbe" kamen NEET-Situationen im Vergleich selten vor.
Personen mit EBA sind mehr als doppelt so häufig arbeitslos wie Personen mit EFZ
Eine NEET-Situation muss nicht zwangsläufig problematisch sein und auch nicht alle Personen in einer NEET-Situation sind auf Stellensuche. Pausen zwischen Lehrabschluss und erster Arbeitsstelle können absichtlich erfolgen. Möglich sind zum Beispiel Sprachaufenthalte oder unbezahlte Praktika. Daher wird ergänzend spezifisch die Arbeitslosigkeit betrachtet, also nur diejenigen Personen, welche als arbeitslos gemeldet waren.
14 Prozent aller Lehrabgänger/innen waren innert der betrachteten 30 Monate mindestens einmal als arbeitslos registriert gewesen. Bei knapp zwei Dritteln von ihnen hatte die Arbeitslosigkeit höchstens drei Monate gedauert.
Nach Merkmalen der Lernenden betrachtet zeigen die Resultate in die gleiche Richtung wie die Analyse aller NEET-Situationen (ohne EO-Bezug). EBA-Abgänger/innen waren mehr als doppelt so häufig von Arbeitslosigkeit betroffen gewesen wie EFZ-Absolvierende. Frauen waren etwas häufiger als arbeitslos registriert als Männer. In der Schweiz geborene Schweizer/innen waren seltener arbeitslos als Personen der übrigen Migrationskategorien. Zudem waren Personen aus städtischen Gebieten häufiger arbeitslos als Personen aus intermediären oder ländlichen Gebieten.
LUSTAT Statistik Luzern / 22. Oktober 2026
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